Archäologische Funde zum Neuen Testament

Erste Fassung: 8.2004 (letzte Änderung: 06.2017)

 

 

Inhaltsübersicht

 

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Vorwort

 

Handschriftenfunde zum Neuen Testament

Entstehung des Neuen Testaments

Griechische Handschriftenfunde

Alte Übersetzungen

Textunterschiede

Zum Kanon des Neuen Testaments

Außerkanonische Schriften

 

 

Außerbiblische Nachweise zum Neuen Testament

Zu Jesus Christus

Zur Geburtsgeschichte von Jesus

Zu Pilatus

Zu anderen Personen

Zu Ortsnamen

Zu Gegenständen

 

Anhang

Griechisches Alphabet

Textvergleich

Standardtext-Entwicklung

Zu Christus – das neue Denken und Tun

Zu außerkanonischen Lehren


 

Vorwort 

 

Immer wieder wird die Echtheit der Texte des Neuen Testaments angezweifelt. Daher machte ich mich daran, Forschungsergebnisse zum Neuen Testament zusammenzustellen. Ich war dabei selbst überrascht, dass sich von den frühesten Handschriften an bis zum Mittelalter nur sehr kleine Unterschiede zwischen den Texten zum Neuen Testament gezeigt haben.

Die allgemeine Anerkennung von Büchern des Neuen Testaments durch christliche Autoritäten hat schon sehr früh, zum großen Teil schon zu Beginn des 2. Jahrhunderts, stattgefunden, auch wenn es in dieser Zeit noch kaum kirchliche Organisation gab.

Im Gegensatz zum Alten Testament konnte ich beim Neuen Testament teilweise auf Vorlagen im Internet verweisen.

Dankbar bin ich auch der William Carey International University Press aus Pasadena für die Genehmigung der Übernahme von zwei Beispieltexten aus den Werken von Reuben J. Swanson.

 

Erhard Bisanz - Stuttgart

 

 

Bemerkungen zu Änderungen vom April 2016:

 

- Im Bereich Griechische Handschriftenfunde wurde der Link zu P52 aktualisiert

- Im  Bereich Außerbiblische Nachweise zu Jesus Christus wurde beim Talmud ein Literaturhinweis hinzugefügt

- Im Bereich Außerbiblische Nachweise zu Gegenständen wurde ein Literaturhinweis hinzugefügt

- Im NT-Anhang gab es beim Abschnitt  Außerkanonische Lehren eine Textänderung beim Montanismus

 

Bemerkungen zu Änderungen vom Mai 2017:

 

- Im Bereich Außerbiblische Nachweise zu Jesus Christus wurde  2. Der Stern der Weisen neu gestaltet

 

Bemerkung zur Änderung vom Juni 2017:

In einigen Bereichen wurden Links aktualisiert

 

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Entstehung des Neuen Testaments

 

Jesus Christus wurde im Jahr 29 unserer Zeitrechnung von Johannes dem Täufer im Jordan getauft (im 15. Jahr der Regierung des römischen Kaisers Tiberius; nach Lukas 3, Verse 1 – 2).  Damit begann sein öffentliches Wirken.

Für die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus kommt nach allgemeiner Auffassung die Zeit zwischen 30 und 33  unserer Zeitrechnung in Frage. Der Tag für die Kreuzigung war der Vorbereitungstag für den Sabbat, und zwar ein Freitag vor dem Passahfest (nach Johannes 19, Vers 31). Newton und in unserer Zeit Schaefer und Pratt verwendeten sowohl den jüdischen als auch den julianischen Kalender und kamen auf das Jahr 33, Freitag, den 3. April.

(Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Finsternis_bei_der_Kreuzigung_Jesu#Datierung_der_Kreuzigung ; J. P. Pratt: "Newton's Date for the Crucifixion". In The quarterly Journal of the Royal Astronomical Society 32/3 (1991), S. 301–304; Colin J. Humphreys, W. G. Waddington: The Date of the Crucifixion, in: Journal of the American Scientific Affiliation, 37 (1985); B. E. Schaefer: Lunar Visibility and the Crucifixion. In: The quarterly Journal of the Royal Astronomical Society. 31, Nr. 1, 1990, S. 53–67)

 

Die Worte und Taten von Jesus Christus wurden anfangs hauptsächlich mündlich überliefert. Die ersten Schriften, die später auch in das Neue Testament übernommen wurden, waren die Briefe von Paulus, die an verschiedene Gemeinden gerichtet waren. Sie stammen aus der Zeit von etwa 50 bis 60 nach Chr.

Als die Zahl der überlebenden Augen- und Ohrenzeugen, die die Informationen über Jesus Christus weitergeben konnten, immer mehr abnahm, begann die Niederschrift der Ereignisse in den Evangelien:

Nach Angaben des Kirchenvaters Irenäus entstand zuerst das Matthäusevangelium, es folgte das Markusevangelium kurz vor dem Jahre 70 nach Chr. Das Lukasevangelium soll kurz vor 80 nach Chr. geschrieben worden sein. Lukas erwähnt zu Beginn seines Evangeliums, dass schon viele vor ihm versucht hatten, schriftliche Berichte zu verfassen und er schreibt das Evangelium aufgrund eigener Erkundigungen. Die Niederschrift des Johannesevangeliums, das die anderen Evangelien voraussetzt, gehört in die Zeit  um 90/95 nach Chr.  (Weitere Lit.: Kurt Aland: Geschichte der Christenheit, Gütersloh 1980, S. 102 ff)

Die biblischen Texte stehen uns nur deshalb zur Verfügung, weil sie immer wieder abgeschrieben wurden. Es gibt kein einziges Original. Schon die Auffindung einer alten Abschrift ist ein Glücksfall, die Auffindung des Originals eines biblischen Textes wäre ein Wunder. 

Einige Theologen des 19. Jahrhunderts (vor allem die der Tübinger Schule mit C. F. Baur angehörten) behaupteten, die wichtigsten Schriften des Neuen Testaments hätten nicht vor den dreißiger Jahren des 2. Jahrhunderts existiert (Bruce: Das Neue Testament: glaubwürdig, wahr, verlässlich, Lahr, 1997, S.19). Diese Aussage wird u. a. durch den Fund des Papyrus P52, der aus der Zeit um 125 nach Chr. stammen soll, widerlegt.

Um ein besseres Verständnis für die Evangelien zu bekommen, empfiehlt es sich, im Anhang den Abschnitt: Zu Christus – das neue Denken  zu lesen.

 

 

 

 

 

 

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Wichtige griechische Handschriften zum Neuen Testament

 

Bezeichnung

Nummer

Inhalt

Entstehungszeit

Fundort

Aufbewahrungsort

Literaturquelle

Entdeckungszeit

 Einige Papyri:

John Rylands Papyrus

P52

Johannes 18 (Fragment)

125 n. Chr.

Fayum (Ägypten)

Manchester  John Rylands Library

Aland, S. 109; Paret, Tafel 3

1935

Chester Beatty Papyri

P45, P46, P47

NeuesTestament (Teile)

200 - 300 n. Chr.

Fayum (Ägypten)

Dublin und Michigan University

Aland, S. 108; Paret, Tafeln 4 - 6

1930

Bodmer Papyri

P66,P72, P74, P75

NeuesTestament (Teile)

200 - 600 n. Chr.

Ägypten

Cologny bei Genf (Bibliothek)

Aland, S. 117

1956

Einige Pergamente mit Großbuchstaben (sog. Majuskeln/Unzialschriften):

Codex Sinaiticus (À)

01

Altes und neues Testament

4. Jh. n. Chr.

Berg Sinai

London (Brit. Libr.)

Aland, S. 117; Paret, Tafeln 12,13

1844 - 1859

Codex Alexandrinus (A)

02

Altes und neues Testament

5. Jh. n. Chr.

Alexandria

London (Brit. Libr.)

Aland, S. 118; Paret, Tafel 14

11. Jh.

Codex Vaticanus (B)

03

Altes und neues Testament

4. Jh. n. Chr.

 

Rom (Vatikan)

Aland, S. 118; Paret, Tafel 10

15. Jh.

Codex Ephraemi rescriptus (C)

04

Altes und neues Testament

5. Jh. n. Chr.

 

Paris

Aland, S. 118; Paret, Tafel 15

12. Jh.

Codex Bezae Cantabrigiensis(D), (auch lateinisch)

05

Neues Testament

5./6. Jh. n. Chr.

Nordafrika

Cambridge University

Aland, S. 118; Paret, Tafel 19; Parker, S. 282

16. Jh.

Codex Claromontanus

06

Neues Testament (Teile)

6. Jh. n. Chr.

Clermont

Paris

Aland, S. 119

16. Jh.

Handschriften mit Kleinbuchstaben (sog. Minuskeln) – ab dem 9. Jahrhundert

Aland, S. 137

 

Ausgewählte Texte für Lesungen in Gottesdiensten (Lektionare) und Zitate bei den sog. Kirchenvätern 

Aland, S. 179

 

 

Literatur:

Kurt und Barbara Aland: Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart, 1982

Oscar Paret: Die Bibel – ihre Überlieferung in Druck und Schrift, Stuttgart, 1949

Willem J.J. Glashouwer: Die Geschichte der Bibel, Bielefeld, CLV,1998


Internetadressen mit Auszügen von griechischen Handschriften:

 

Papyri (allgemein):                             http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Papyri_des_Neuen_Testaments

 

P45 (3.Jh.): Teile von: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Apostelgeschichte http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_45

                   

P46 (3.Jh.):  Teile von: Römer, 2. Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, 1. Thessalonicher,  Hebräer       

                     http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.2.3   oder http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_46

P47 (3.Jh.): Teile von: Apostelgeschichte, Offenbarung  http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_47

P52 (125):Teile von Johannes 18 http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.2.1  oder

http://enriqueta.man.ac.uk/luna/servlet/detail/ManchesterDev~93~3~22986~100256:St-John-Fragment?sort=reference_number%2Cimage_sequence_number%2Cmetadata_schema&qvq=w4s:/what%2FBible%25253A%2BNew%2BTestament;sort:reference_number%2Cimage_sequence_number%2Cmetadata_schema;lc:ManchesterDev~93~3&mi=1&trs=7  

 

http://enriqueta.man.ac.uk/luna/servlet/detail/ManchesterDev~93~3~22996~100257:St-John-Fragment?sort=reference_number%2Cimage_sequence_number%2Cmetadata_schema&qvq=w4s:/what%2FBible%25253A%2BNew%2BTestament;sort:reference_number%2Cimage_sequence_number%2Cmetadata_schema;lc:ManchesterDev~93~3&mi=2&trs=7

 

P66 (um 200): Teile von Johannes   http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.2.4  oder http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_pap66.html

      oder  http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_66

P72 (3. oder 4.Jh.): Teile von: 1. Petrus, 2. Petrus, Judas   http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_72

oder  http://www.bibelausstellung.de/bilder/zeichnun_z11.jpg

 

P74 (7. Jh.): Teile von: Apostelgeschichte, Jakobus, 1. Petrus, 2. Petrus, 1. Johannes, 2. Johannes, 3. Johannes, Judas

                    http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_74

 

P75 (Anfang 3. Jh.): Teile von: Lukas, Johannes  http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_pap75.html

 

Codex sinaiticus : Vollbibel mit Lücken im Alten Testament, dazu: Briefe des Barnabas, Hirten des Hermes

 http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_codexs.html

 

Codex Alexandrinus: Vollbibel mit Lücken im Neuen Testament, dazu: 1. und 2. Clemensbrief http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_codexa.html

 

Codex Vaticanus: Vollbibel mit Lücken  http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_codexv.html

 

 

Codex ephraemi: Vollbibel mit Lücken  http://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Ephraemi_Rescriptus  oder

                                                                           http://www.katapi.org.uk/BibleMSS/Ephraemi.htm

                             

Codex Bezae: griechisches und lateinisches Neues Testament  http://www.earlham.edu/~seidti/iam/tc_codexb.html

Lit.: Parker, David C.; Codex Bezae: an early Christian manuscript and its text, Cambridge University Press, 1992

 

 

Codex Claromontanus:  Paulusbriefe, Hebräer, nichtkanonische Teile  http://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Claromontanus

Es ist eine griechisch-lateinische Handschrift.

 

 

 

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Alte Übersetzungen

 

Mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens fingen die Landessprachen an, sich in den Schriften durchzusetzen.  Etwa 180 nach Chr. beginnen die Übersetzungen ins Lateinische, Syrische, Koptische,  danach ins Aramäische, Georgische, Äthiopische, Gotische, Altkirchenslavische und in andere Sprachen.

Da es sich in aller Regel um Übersetzungen aus griechischen Vorlagen handelt, können sie nach Meinung von Aland nicht viel zur Rekonstruktion des griechischen Urtextes beitragen (Kurt und Barbara Aland: Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart, 1982, S. 191)

 

Eine der bedeutendsten Übersetzungen ins Lateinische ist die „Vulgata“. Sie gilt als das Werk von Hieronymus. Dieser Kirchenvater lebte von 347 – 419/20 nach Chr.  Da der christliche Glaube Staatsreligion geworden war und  die lateinische Sprache in dieser Zeit zur Umgangssprache im römischen Reich wurde, war eine Einheitsübersetzung dringend erforderlich geworden. Hieronymus erhielt von Papst Damasus den Auftrag, die Bibel ins Lateinische zu übersetzen. Das geschah von 390 – 405 nach Chr.  Beim Neuen Testament soll er eine altlateinische Vorlage benutzt haben. Nur das Alte Testament soll er nach einer hebräischen Vorlage übersetzt haben.

Doch erst im Mittelalter wurde die Übersetzung als „Vulgata“ (übersetzt: allgemein verbreiteter Text) maßgeblicher Text der Kirche. 1979 wurde die Vulgata überarbeitet. 1975 erschien die Stuttgarter Vulgata.

Im Internet: https://www.die-bibel.de/bibelwissen/bibeluebersetzung/die-geschichte-der-bibeluebersetzung/die-vulgata/

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr zugrunde lagen vor allem folgende lateinische Handschriften:

 

Bezeichnung

Kennzeichen

Inhalt

Entstehungszeit

Fundort

Aufbewahrungsort

Literaturquelle

Entdeckungszeit

Codex_Amiatinus

 

A

Altes und neues Testament

8. Jh. n. Chr.

North-umbria

(England)

Florenz, Bibliotheca Mediceo Laurenziana

Aland: Der Text des Neuen Testaments, 1982, S. 197

 

Codex_Fuldensis

 

F

Neues Testament

547 n. Chr.

Capua

Landesbibliothek Fulda

Aland:s. o., S. 197

 

Codex_Sangermanensis

 

G

Neues Testament

9. Jh. n. Chr.

Paris

Paris,National-bibliothek

Aland:s. o., S. 197

 

Codex_Mediolanensis

 

M

Evangelien

6. Jh. n. Chr.

Norditalien

Mailand, Bibliotheca Ambrosiana

Aland:s. o., S. 197

 

Palimpsest

(überschrieben)

N

Evangelien

5. Jh. n. Chr.

Italien

Paris,National-bibliothek, Autun

Aland:s. o., S. 197

 

Codex Reginensis

R

Paulusschriften

8. Jh. n. Chr.

Ravenna

Rom, Vatikanbibliothek

Aland:s. o., S. 197

 

Codex_Sangallensis

 

S

Evangelien

5. Jh. n. Chr.

Italien

St. Gallen, Stiftsbibliothek

Aland:s. o., S. 197

 

Codex Harleianus

Z

Evangelien

6. Jh. n. Chr.

Italien

London, Brit. Museum

Aland:s. o., S. 197

 

 

 

 

 

 

 

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Textunterschiede

 

Für die Schriften des Neuen Testaments gibt es als Grundlage alte Handschriften (siehe obige Tabellen).

Die griechischen Manuskripte aus den verschiedensten Jahrhunderten lassen nur geringfügige Unterschiede bei den Texten erkennen.  Insbesondere ist keine Entwicklung feststellbar, die eine Veränderung der Texte in bestimmter Richtung im Lauf der Zeit belegen könnte.

Viele Textforscher, u. a. Kurt Aland, betonen die Zuverlässigkeit der Textüberlieferung. Zu den Unterschieden zwischen den Handschriften des Neuen Testaments in quantitativer Hinsicht kann man sich unter folgender Internetadresse informieren: 

http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.3 .

Die Textunterschiede kann man auch anhand der folgenden Beispielstexte feststellen.

Reuben J. Swanson hat in seinen Büchern die Texte verschiedener Handschriften untereinander geschrieben und mit dem Text des Codex Vaticanus verglichen.

Daraus wurden im Johannesevangelium Kapitel 18 die Verse 31 ff. und im Galaterbrief Kapitel 1 Vers 1. ausgewählt.

 

 

Literatur dazu:

Reuben J. Swanson, ed.

New Testament Greek Manuscripts: Variant Readings Arranged in Horizontal Lines against Codex Vaticanus.

4 vols. Foreward by Bruce Metzger. Sheffield: Sheffield Academic Press, 1995; Pasadena: William Carey International University Press, 1995. http://rosetta.reltech.org/TC/vol01/Swanson1996rev-x.html

New Testament Greek Manuscripts: Galatians
Variant Readings Arranged in Horizontal Lines Against Codex Vaticanus
New Testament Greek Manuscripts - NTGM
Edited by Reuben J. Swanson

William Carey International University Press, 2000   https://www.eisenbrauns.com/

 

(Von Swanson gibt es auch Bücher zur Apostelgeschichte und zum Römerbrief.)


 

 

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Zum Kanon des Neuen Testaments

 

Im römischen Reich herrschte ein Religionspluralismus. An vielen Orten vermischten sich die Religionen. Es haben sich auch Lehren gebildet, die christliche Glaubensauffassungen mit Inhalten anderer Anschauungen und Religionen vermengten. 

Die frühe Kirche war zahlreichen Angriffen von außen, so vom römischen Staat, und von innen durch Auflösungserscheinungen ausgesetzt. Schon im 1. Jahrhundert drohte eine Form der Gnosis das Christentum aufzulösen. Zur Abwehr gegen diese Lehren musste die junge Kirche, die ja noch kaum Organisationsstruktur besaß, festlegen, welche Schriften allgemein anerkannt werden. Diese Schriften wurden dann als Kanon bezeichnet.  Kanon als Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Rohr“. Im alten Orient wurde ein Stab zum Messen benutzt. Im frühkirchlichen Gebrauch bezeichnet „Kanon“ eine Glaubensregel, die von der Tradition bezeugt wird. Athanasius unterschied zwischen kanonischen Schriften, die überliefert und als von Gott stammend geglaubt werden und apokryphen Schriften, in denen Irrlehrer ihre Lehren mit den von Gott inspirierten vermischt haben (Lit.: Donath Hercsik: Die Grundlagen unseres Glaubens, 2005, LIT-Verlag Münster S.71 ff).

 

In relativ früher Zeit, Anfang des 2. Jahrhunderts, waren schon Paulusbriefe und Evangelien im Umlauf. Im 1. Clemensbrief 47,1 (u. a. im Codex Alexandrinus zu finden, auch im Internet unter: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel4.htm ), der ca. 95 nach Chr. verfasst wurde, schreibt Clemens von Rom den Korinthern, dass sie den Brief des Paulus lesen sollen.

Der Kirchenvater Justin zitiert aus den Evangelien (130 – 150 nach Chr.), siehe z. B. Chapter XV in: http://www.documentacatholicaomnia.eu/03d/0100-0160,_Iustinus,_Apologia_prima_%5BSchaff%5D,_EN.pdf .

Der Kirchenvater Irenäus beschreibt nicht nur die Entstehung der vier Evangelien. Er zitiert neben den Evangelien auch aus Paulusbriefen und der Apostelgeschichte in seinem Werk „Gegen die Häresien“ in der Zeit 180 – 185 nach Chr.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts besteht der Kanon aus den vier Evangelien, der Apostelgeschichte  und den Paulusbriefen.

Im 3. Jahrhundert setzten sich dann der 1. Petrusbrief und der 1. Johannesbrief durch. 

Für die restlichen Schriften dauerte die allgemeine Anerkennung etwas länger. Es handelt sich um: den 2. und den 3. Johannesbrief, den Jakobusbrief, den Judasbrief, sowie den Hebräerbrief und die Offenbarung des Johannes.

Mitte des 4. Jahrhunderts, nach Gründung der Reichskirche, wurde der Kanon durch Bischofsentscheidungen und Synodaldekrete für ganze Provinzen festgeschrieben. Im Osten des römischen Reiches hat Athanasius 367 nach Chr. in einem Osterbrief über den kanonischen Bestand der Bibel geschrieben. Hieronymus und Augustin setzten im Westen den 27-Schriftenkanon durch. 

Auf den Synoden von Hippo 393 und Karthago 397 und 419 nach Chr. wurde die Zahl und Reihenfolge der Schriften endgültig festgelegt (Oscar Paret: Die Bibel – ihre Überlieferung in Druck und Schrift, Stuttgart, 1949, S. 44).

Die Einheitlichkeit des neutestamentlichen Kanons mit seinen 27 Büchern, wie ihn alle Konfessionen der Christenheit heute haben, ist also am Ausgang des 4. Jahrhunderts in einer Reihe von Kirchenprovinzen erzielt worden und benötigte dann noch Zeit, um sich überall durchzusetzen (K. Aland: Geschichte der Christenheit, Gütersloh, 1980, S. 112 ff).

Die Entwicklung  einer einheitlichen Fassung des griechischen Neuen Testaments in der Neuzeit ist im Anhang kurz dargestellt.

 

Zu Irenäus von Lyon

Irenäus (Bischof von Lyon) lebte etwa von 135 – 200 nach Chr. Er hat als Jugendlicher noch Bischof Polycarp von Smyrna kennengelernt (siehe „Gegen die Häresien“ Buch III, 3,4). Polycarp war Schüler des Apostels Johannes. Irenäus schreibt  in „Gegen die Häresien“ (Buch III, 1,1): Matthäus hat in hebräischer Sprache gepredigt und eine Evangeliumsschrift verfasst, als Petrus und Paulus in Rom das Evangelium verkündeten. Nach deren Tod zeichnete Markus, der Schüler und Dolmetscher von Petrus, dessen Predigt auf. Ähnlich hat Lukas, der Begleiter von Paulus, das von diesem verkündete Evangelium in einem Buch niedergelegt. Zuletzt gab Johannes, der Schüler des Herrn Jesus, der an seiner Brust ruhte, während des Aufenthalts in Ephesus in (Klein-)Asien das Evangelium heraus. 

Die Schriften von Irenäus sind durch Funde gut belegt.  Quellen sind hauptsächlich lateinische Übersetzungen, vom ursprünglich griechischen Text gibt es Fragmente. Siehe auch: Außerkanonische Schriften.

Lit.: Irénée de Lyon: Contre les hérésies; Edition Adelin Rousseau, Louis Doutreleau; CERF Paris, 5 Bände 1965 – 1982, Lateinisch, Griechisch und Französisch.   Irenäus von Lyon: Gegen die Häresien/ übersetzt und eingeleitet von Norbert Brox, Herder, Freiburg im Breisgau (Fontes Christiani; Bände 8/1 –  8/2 – 8/3 – 8/4 - 8/5); 1993 – 2001, Griechisch, Lateinisch, Deutsch.

Im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Iren%C3%A4us_von_Lyon  und  http://www.unifr.ch/bkv/kapitel581.htm  

 

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Außerkanonische Schriften

 

Es gab verschiedene Gründe für die Kirche, Schriften nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufzunehmen. Lehren, die nicht von Aposteln stammten und nicht mit den Evangelien vereinbar waren, wurden nicht anerkannt: z. B. Gnosis, Marcionismus, Montanismus,  Manichäismus. Man nannte die Schriften auch Apokryphen. Die alt-griechische Bezeichnung ist dafür, „apokryphos“, auf Deutsch „verborgen“.  Zu diesen Schriften gehören auch sog. Evangelien, die in der Regel nichts Neues zur Kenntnis über Jesus beitragen. Sie sind oft mit gnostischen Elementen vermischt. Dann sog. Apostelakten, mit romanhaften Erzählungen und gewisse Briefe.  Schriften  der Generationen nach den Aposteln wurden auch nicht in den Kanon aufgenommen, aber zum Teil als lesenswert empfohlen.

Weitere Einzelheiten sind auf der Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen  zu finden.

Wichtige Quellen für außerkanonische Schriften, die sich mit der Verteidigung des Kanons befassen, befinden sich in der anschließenden Tabelle.

 

Wichtige Quellen für außerkanonische Schriften:                                                                                                                                                                                                                                   

Bezeichnung

Nummer

Inhalt

Entstehungszeit

Fundort

Aufbewahrungsort

Literaturquelle

Entdeckungszeit

Oxyrhynchus Papyrus, griechisch

405

Irenäus: Gegen die Häresien III, 9, 2-3

(Fragment)

2. – 3. Jahrhundert

Oxyrhynchus

Cambridge

University

Library

Aland/Rosenbaum:

Repertorium der griechischen christlichen Papyri, 1995, Berlin

1903

Jenaer Irenaeus-Papyrus,

griechisch

 

Irenäus: Gegen die Häresien V,

3,2 – 13,1

(Fragment)

3. – 4. Jahrhundert

Oberägypten

Jena, Universität,

Phil. Seminar

K. Aland, H.-U. Rosenbaum:

Siehe oben

1911

Codex Claro-montanus (B),

lateinisch

 

Irenäus: Gegen die Häresien

9. Jahrhundert

 

Berlin, Staatsbibliothek, Handschriftenabteilung, Ms. Phillips 1669

Lundström: Die Überlieferung der lateinischen Irenaeusüber-setzung, Uppsala, 1985

 

Codex Vossianus,

lateinisch

 

Irenäus: Gegen die Häresien

1494

 

Leiden

Lundström: Siehe oben

 

Handschrift

Nr. 450

Justin: Zwei Apologien

1364

 

Paris

Bibliothek der Kirchenväter; Bd. 12, München, Kösel, 1913, Übersetzer Dr. G. Rauschen

 

Papyrus Berolin

17076

Eusebius: Kirchenge-schichte VI, 43, 7-8 11-12

(Fragment)

3. – 4. Jahrhundert

Hermupolis Magna

Berlin, Staatliche Museen

K. Aland, H.-U. Rosenbaum:

Siehe oben, S. 199

 

2 syrische Handschriften

 

Eusebius: Kirchengeschichte

5. – 6. Jahrhundert

 

 

Eusebius von Cäsarea: Kirchengeschichte, München, 1967

 

Lateinische Handschrift von Rufinus

 

Eusebius: Kirchengeschichte

402

 

 

Eusebius siehe oben

 

Codices aus dem 10. – 12 Jahrhundert

 

Eusebius: Kirchengeschichte

10. – 12. Jahrhundert

 

 

Eusebius siehe oben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oxyrhynchus Papyrus, griechisch, Nr. 405

                                                                                                      

                                                                                                      

                                                

                                                                                                                                                                                                                                      

                                                                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                                                                                    

Foto aus Grenfell, Hunt: The Oxyrhynchus Papyri, Part IV, Plate I, 1904. Die Papyrusteile wurden in die richtige Anordnung gebracht.

Die Anordnung befindet sich in der Zeitschrift Sources Chretiennes, Nr. 210, Paris 1974, S 131. A. Rousseau – L. Doutreleau: Irénée de Lyon, Contre les hérésies, III 2.

 

Der fehlende Teil wurde mit einem Fragezeichen versehen, er ist im Internet zu finden unter:

 

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:POxy405.jpg

 

 


Oxyrhynchus Papyrus, griechisch, Nr. 405

 

In den Spalten steht der aus späteren Quellen erstellte griechische Text nach der Zeitschrift Sources Chretiennes, s. o., S 104 ff. und nach Grenfell, Hunt, Part IV, S. 264 ff, 1904 (s. o.), (vgl. auch Grenfell, Hunt, Part III, S. 10 und 11, 1903)

Die sichtbaren Buchstaben sind fett und rot gedruckt.

 

 

In Spalte 1: Übersetzung nach: Bibliothek der Kirchenväter – Irenäus; Fünf Bücher gegen die Häresien, Kempten, 1912;

                    daraus Buch III, 9,2 

                   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                             

Oxyrhynchus Papyrus, griechisch, Nr. 405

 

In Spalte 2

Übersetzung nach: Bibliothek der Kirchenväter – Irenäus; Fünf Bücher gegen die Häresien, Kempten, 1912;

                              daraus Buch III, Rest 9,2 und Beginn 9,3

 

(9,2 fehlende Fortsetzung: „… wird ein Stern aus Jakob, ein Führer sich erheben in Israel“. Matthäus aber lässt die Magier, die aus dem Osten kamen, sprechen: „Wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten“. Und von dem Stern in das Haus Jakobs zum Emmanuel geführt, haben sie durch die Darbringung ihrer Geschenke angezeigt, wer der war, den sie anbeteten: durch die Myrrhe, dass er es war, der für das sterbliche Geschlecht der Menschen sterben und begraben werden wollte; durch das Gold, dass er der König war, „dessen Reich kein Ende hat,)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                

                                                                                                                                                                                                                             

                                                                                                                                                                                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jenaer Irenäus-Papyrus

Die Skizze zeigt die Lage einzelner Fragmente des Jenaer Irenäus-Papyrus aus dem 2. Jahrhundert nach Christi Geburt.

 

Weitere Einzelheiten sind zu finden bei:  Fritz Uebel, Der Jenaer Irenäuspapyrus, in der Zeitschrift Eirene III, 1964, S. 51 – 109

 

Ansprechpartner:
Institut für Altertumswissenschaften
der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/944800

 

http://www2.uni-jena.de/journal/unijul00/sand.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                            

Codex Claromontanus (B), lateinisch

 

 

 

Der Codex Claromontanus (B) befindet sich als Handschrift Ms. Phillipps 1669 in Berlin, Staaatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.  Abgebildet wird hier f. 95v. Der Seitenausschnitt enthält den Text in einer recht guten karolingischen Minuskel.

Die Handschrift ist wissenschaftlich beschrieben von Rose, Valentin: Verzeichniss der lateinischen Handschriften der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Bd. 1. Die Meerman-Handschriften des Sir Thomas Phillipps. (Die Handschriften-Verzeichnisse der Königlichen Bibliothek zu Berlin 12) Berlin 1893, Nr. 43, S. 58-60).

 

Vgl.:  http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/kataloge/HSK0709.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

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Außerbiblische Nachweise zu Jesus Christus

 

Es wird behauptet, dass es außerhalb biblischer Schriften kaum Nachweis gäbe, dass Jesus Christus überhaupt gelebt hat.

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass römische Historiker in den ersten Jahrhunderten bis 313 nach Chr. die Bedeutung von Jesus Christus nicht erkannt haben.  Der christliche Glaube wurde, wenn überhaupt, nur erwähnt als Aberglaube oder als Irrglaube von Unruhestiftern jüdischen Ursprungs, der vom Staat bekämpft wurde. Theologen der Juden haben auch über Jesus geschrieben, allerdings im Zusammenhang damit, dass er als Zauberer angeführt wird. Folgende Erwähnungen liegen vor:

 

Christus – Erwähnung durch nichtchristliche Quellen

 

Verfasser

Lebenszeit

Werk

Handschriftenfunde

Aufbewahrungsort

Literatur

Bezeichnung

Entstehungszeit

 

 

 

 

 

 

 

Tacitus

55 - 120  n. Chr.

Annalen XV. Buch, Kap. 44

Mediceus II

Mitte 11. Jhdt.

Florenz, Bibliothek Laurenziana 68,2

Römer, Franz: Tacitus, Wien 1992

Sueton

ca. 70 - 150  n. Chr.

Das Leben der Cäsaren: Claudius, 25

Cod. Paris lat. 6115

9. Jhdt.

Paris

http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#1.1.2

Sueton

ca. 70 - 150  n. Chr.

Das Leben der Cäsaren: Claudius, 25

Cod. Paris lat. 1904

um 1100

Paris

         

Plinius Secundus (Plinius der Jüngere)

61-113 n. Chr.

Briefe X.96, X97

 

 

 

          

Mitglieder des Sanhedrin

Beginn 70 n. Chr.

Babylonischer Talmud, Sanhedrin 43a

Pergamenthandschrift München

1342

München,  Bayerische Staats-bibliothek

           

Lukian (Lucian) von Samosata

120-ca.180 n. Chr.

De morte Peregrini, 11

 

 

 

         

Spottkruzifix

3. Jahrhundert n. Chr.

Wandkritzelei

 

 

Rom

         

 

 

Christus – Erwähnung durch christliche Quellen

Verfasser

Lebenszeit

Werk

Handschriftenfunde

Aufbewahrungsort

Literatur

Clemens von Rom

92-101 n.Chr.

1. Clemensbrief

Codex Alexandrinus

5. Jh. n. Chr.

London (Brit. Libr.)

http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#2.1

Justin der Märtyrer

100-166 n. Chr.

Apologie I, 34

 

1364

Paris

         

Irenäus

135 - 202 n. Chr.

Irenäus, Fragmente II

Eusebius, Kirchengeschichte

 

 

         

Barnabas

2. Jhdt.

Barnabasbrief, 5.11,12

Codex Sinaiticus

4. Jhdt.

London

         

Tertullian

ca.160 - 220 n. Chr.

Apologien, 5.2

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zitat aus Tacitus (Annalen XV.44)

Publius Cornelius Tacitus (55-ca.117 n. Chr.), ein zuverlässiger römischer Historiker, Senator, Prokonsul und Statthalter über Asien schrieb um 116 n. Chr. in seinen Annalen XV.44 über den Brand Roms und das hartnäckige Gerücht, Nero habe den Brand legen lassen, der um 64 nach Chr. stattfand.

Älteste Handschrift für die Annalenbücher  XI – XVI ist der sog. Codex Mediceus II. Florenz, Bibl. Laurenziana 68,2; aus Monte Cassino, Mitte 11. Jhdt., langobardischer Schrifttyp.

Ein Bild dieser Textseite und die lateinische Text-Quelle ist zu finden bei: Römer, Franz: Tacitus.

Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1992, S. 67.

Im Internet ist das Bild zu finden unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Annales_%28Tacitus%29 und

http://www.fvss.de/facharbeiten/tacitus/anhang/7-3.html

 

Lateinischer Textauszug:

Sed non ope humana, non largitionibus principis aut deum placamentis decedebat infamia, quin iussum incendium crederetur.

Ergo abolendo rumori Nero subdidit reos et quaesitissimis poenis adfecit, quos per flagitia invisos vulgus Chrestianos appellabat. Auctor nominis eius Christus Tiberio imperitante per procuratorem Pontium Pilatum supplicio adfectus erat; repressaque in praesens exitiabilis superstitio rursum erumpebat, non modo per Iudaeam, originem eius mali, sed per urbem etiam, quo cuncta undique atrocia aut pudenda confluunt celebranturque.

Igitur primum correpti, qui fatebantur, deinde indicio eorum multitudo ingens haud proinde in crimine incendii quam odio humani generis convicti sunt. Et pereuntibus addita ludibria, ut ferarum tergis contecti laniatu canum interirent aut crucibus adfixi, ubi defecisset dies, in usum nocturni luminis urerentur. Hortos suos ei spectaculo Nero obtulerat et circense ludicrum edebat, habitu aurigae permixtus plebi vel curricolo insistens. Unde quamquam adversus sontes et novissima exempla meritos miseratio oriebatur, tamquam non utilitate publica, sed in saevitiam unius absumerentur.

 

Die deutsche Übersetzung diese Auszuges ist im Internet unter zu finden unter: http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#1.1.1

 

Zitat von Sueton (Leben der Cäsaren, Claudius, Nero)

Gaius Tranquillus Sueton (69-ca.122 n. Chr.) war römischer Kaiserbiograph und Kanzleichef Hadrians

Älteste Handschrift für das Leben der Cäsaren ist der Codex Paris lat. 6115 aus dem 9. Jahrhundert.

 

Sueton schreibt in seinem Werk: Claudius, 25,4 einen Satz:

Iudaeos impolsore Chresto  assidue tumultantis Roma expulit.

(Lateinische Fassung von Helga Botermann: Das Judenedikt des Kaisers Claudius, Stuttgart, 1996, S. 50)

Die deutsche Fassung ist im Internet zu finden unter: http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#1.1.2

 

 

Zitat von Plinius Secundus (Briefe)

Gajus Plinius Caecilius Secundus, kurz: Plinius der Jüngere (61-113 n. Chr.), war römischer Autor, erfolgreicher Anwalt und Konsul.

Näheres im Internet unter http://de.wikipedia.org/wiki/Plinius_der_J%C3%BCngere.

Er schreibt in Buch X im 96. Brief an den Kaiser Trajan:

(Lateinische Fassung von Helmut Kasten: Gajus Plinius Caecilius Secundus – Briefe, Zürich, 1995, S. 641)

 

Auszug:

 

LXXXXVI

C. PLINIUS TRAIANO IMPERATORI

Sollemne est mihi, domine, omnia, de quibus dubito, ad te referre, quis enim potest melius vel cunctationem meam regere vel ignorantiam instruere?

Cognitionibus de Christianis interfui numquam; ideo nescio, quid et quatenus aut puniri soleat aut quaeri, nec mediocriter haesitavi, sitne aliquod discrimen aetatum, an quamlibet teneri nihil a robustioribus differant, detur paenitentiae venia, an ei, qui omnino Christianus fuit, desisse non prosit, nomen ipsum, si flagitiis careat, an flagitia cohaerentia nomini puniantur. .....

 

 

Kaiser Trajan’ s Antwort

Marcus Ulpius Traianus lebte von 53-117 und war Kaiser ab 98 nach Chr.
Er antwortet in Buch X im 97. Brief an Plinius.
(Lateinische Fassung von Helmut Kasten: Gajus Plinius Caecilius Secundus – Briefe, Zürich, 1995, S. 645)

Die deutsche Fassung des Briefes von Plinius und der Antwort ist im Internet zu finden unter:  http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#1.1.3

 


Zitate im Talmud

Nach dem Fall der Stadt Jerusalem und der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 nach Chr. bildeten die Juden einen neuen Sanhedrin als oberste Instanz für Lehrentscheidungen. Der Sanhedrin sorgte dafür, dass die mündlichen Überlieferungen der kasuistischen Gesetze geordnet und aufgeschrieben wurden. Diese Zusammenstellung wurde als Mischna bezeichnet. Zur Mischna wurden auch Kommentare (Gemara) geschrieben. Beides zusammen wird Talmud genannt.

Man unterscheidet zwischen palästinensischem Talmud, der etwa 350 nach Chr. abgeschlossen wurde und dem umfangreicheren babylonischen Talmud, um etwa 500 nach Chr. schriftlich fixiert.

Die Zeit zwischen 70 und 200 nach Chr. ist als tannaitische Periode bekannt (Tannaiten bedeutet Lehrer). Aus der tannaitischen Periode stammen Traditionen, die aus der Mischna ausgeschlossen, aber in die Gemara aufgenommen wurden. Eine solche Tradition wird Baraita genannt.

Aus F.F. Bruce: Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum, deutsche Übersetzung Hrsg. Güting, Gießen/Basel, 1993

Weitere Literatur: Der babylonische Talmud, übertragen durch Lazarus Goldschmidt, 8. Band, 1934, Berlin (dort Sanhedrin 43a)

 Der Münchener Talmud von 1342 ist im Internet zu finden:  http://www.digitale-sammlungen.de  /  (dort „Babylonischer Talmud“ eingeben und klicken. Im Talmud  Sanhedrin suchen.);   Joseph Klausner: Jesus von Nazareth, The Jewish Publishing House, Jerusalem, 1952, S. 29 ff

 

Die deutsche Fassung der Talmud-Zitate und der Zitate von Lukian (Lucian) von Samosata, einem Spottkruzifix und Zitate von Kirchenvätern sind im Internet zu finden unter:  http://jesus-der-christus.info/histjesu.htm#1.2.2

  

 

 

 

 

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Außerbiblische Nachweise zur Geburtsgeschichte von Jesus Christus

 

Matthäus und Lukas berichten unabhängig voneinander Einzelheiten zur Geburtsgeschichte von Jesus Christus. Sie stellen sie in einen historischen Rahmen.

Im Lukas-Evangelium, 2. Kapitel, steht:

  1. Es geschah aber: In jenen Tagen ging eine Verordnung vom Kaiser Augustus aus, dass sich (in Steuerlisten) einschreiben lasse die ganze bewohnte (Erde).
  2. Dies war (die) erste Einschreibung, als Quirinius Statthalter von Syrien war.
  3. Und es gingen alle, sich eintragen zu lassen, jeder in seine Stadt.

(Aus der Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch von Ernst Dietzfelbinger, 1994, Hänssler-Verlag)

Demnach erfolgten nach Lukas zur Zeit der Geburt von Jesus eine reichsweite Einschreibung (der römischen Staatsbürger) und gleichzeitig eine erstmalige Einschreibung der nicht-römischen Einwohner zur Erfassung ihres Vermögens im jüdischen Land (Provinzial-Zensus). Beides veranlasste der römischen Kaiser Augustus in der Zeit, als Quirinius Statthalter von Syrien war und Herodes König. 

 

Nach Matthäus (2. Kapitel) kamen Sterndeuter aus dem Osten. Sie zogen wegen einer astronomischen Besonderheit auf der Suche nach dem neugeborenen König nach Jerusalem und wandten sich dort an Herodes. Das Sternenereignis fand also zu Lebzeiten des Königs Herodes statt. Er starb im Jahr 4 vor Chr. (manche datieren das Todesjahr auf 1 vor Chr.).  

 

Kritiker wenden ein, dass der Historiker Flavius Josephus nur von einem Provinzial-Zensus berichtet. Dieser fand nach der Absetzung des jüdischen Herrschers Archelaus (Regent über einen Teil des Herodes-Reiches) unter dem Statthalter Quirinius im Jahr 6 nach Chr. statt (Lit.: Josephus, Jüdische Altertümer, XVIII, 1). Es wird behauptet, dass Quirinius im Jahr 8/7 vor Chr. nicht syrischer Statthalter gewesen sei. Das Sternereignis wird von den Kritikern als ein frommes Märchen angesehen. Es lohnt sich, die Texte genauer anzusehen. 

 

 

1. Der Zensus

Ein Provinzial-Zensus wird im Geburtsjahr von Jesus (7 vor Chr.) stattgefunden haben:

Herodes war in dieser Zeit schon betagt (über 66 Jahre alt) und der römische Kaiser Augustus musste sich über die Zeit nach dem Tod des Herodes Gedanken machen. Um 8 v. Chr. fiel Herodes beim Kaiser in Ungnade. Er hatte einen kleinen Blitzfeldzug gegen die Araber (Nabatäer) unternommen, ohne Augustus um Erlaubnis zu bitten. Darauf wurde der Kaiser sehr böse und schrieb Herodes einen Brief, in dem es hieß: „Habe er ihn bisher als Freund betrachtet, so werde er ihn künftig als bloßen Untertan behandeln.“ (Josephus Altertümer XVI, 9,3). Kurz darauf, mussten die Untertanen des Herodes nicht nur ihm sondern auch dem Kaiser den Treueid schwören (Josephus Altertümer XVII, 2,4).

Dann, nach dem Tod von Herodes, wurde eine jüdische Gesandtschaft zum Kaiser Augustus nach Rom geschickt. Dort wurde ihnen gesagt, dass  das Reich des Herodes aufgeteilt werden soll. Die zukünftigen Herrscher über einzelne Gebiete (Ethnarchen) wurden über die Höhe der jährlichen Abgaben an den Kaiser informiert (Lit.: Josephus Altertümer, XVII, 11, 4).

Das geht eigentlich nur nach einer vorherigen Volkszählung und Vermögenserfassung als Grundlage für die amtliche Steuerveranlagung.

 

Auch im Jahr 6 nach Chr., nachdem Archelaus, der Herrscher von Judäa, vom römischen Kaiser abgesetzt worden war, fand eine Schätzung des Vermögens verbunden mit einer Volkszählung statt Die Durchführung wurde Quirinius übertragen (Lit.: Josephus Altertümer, XVIII, 1, 1).

Der Arzt Lukas, der schon etwa ab 50 nach Chr. Paulus auf seiner Missionsreise begleitete, hat sein Evangelium und die Apostelgeschichte aufgrund von Augenzeugenberichten verfasst (Lukas Kapitel 1, 1- 4).

Das heißt: Der Bericht über die Einschreibung, die Anlass der Reise von Maria und Joseph nach Bethlehem war, kann nicht einfach erfunden worden sein. Nach Lukas war es der erste Provinzial-Zensus. Er kannte also auch den Provinzial-Zensus aus dem Jahr 6 nach Chr.  Lukas war eindeutig zeitlich näher am Geschehen als Josephus.

Und Josephus, der im Jahre 37 oder 38 nach Chr. geboren war (http://de.wikipedia.org/wiki/Flavius_Josephus), ist nicht besonders zuverlässig. Er hat nicht einmal den reichsweiten Zensus aller römischen Staatsbürger des Jahres 8 vor Chr. erwähnt.

Der Reichszensus unter Kaiser Augustus, bei dem die Zahl der römischen Bürger im Reich erfasst worden war, fand im Jahr 8 vor unserer Zeitrechnung statt. Die nächste Zählung erfolgte erst 14 nach Beginn unserer Zeitrechnung. Diese Angabe stammt aus dem Tatenbericht des Kaisers.

Hier ein Foto des Tatenberichts in Ankara (er beginnt mit dem Satz: „Rerum gestarum divi Augusti.“ Das heißt übersetzt: „Die Taten des vergöttlichten Augustus“ (Lit.: Augustus, Res gestae / Tatenbericht, Monumentum Ancyranum,

 Hrsg. Marion Giebel, 1986, Philipp

 Reclam jun., Stuttgart)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus dem Augustus-Bericht:

„Dann habe ich kraft meiner konsularischen Amtsgewalt wiederum eine Schätzung veranstaltet, und zwar ohne Kollegen im Amtsjahr der Konsuln Gaius Censorinus und Gaius Asinus (8 vor Chr.).  Dabei wurden 4 233 000 römische Bürger gezählt.“

Auf Lateinisch: „Tum iterum consulari cum imperio lustrum solus feci c.censorino et c. asinio  cos, quo lustro censa. Sunt civium quadragiens centum millia et ducenta triginta tria millia.“  (Im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Res_gestae_divi_Augusti )

 

Zur Schätzung ihres Landbesitzes mussten sich in den römischen Provinzen alle Landbewohner in ihren Heimatort begeben und sich dort in Steuerlisten einschreiben lassen. Das geht u. a. auch aus einem ägyptischen Papyrustext (im Jahr 104 nach Chr., in griechischer Sprache) hervor, nämlich Papyrus Lond. III, 904.  (Lit.: Kenyon & Bell, Greek Papyri in the British Museum, III, London, 1907, n. 904), zu finden im Internet unter https://droitromain.univ-grenoble-alpes.fr/Edicta/Aegypti29_.gr.html

 

. 

Eine Abbildung  dieses Papyrus befindet sich bei Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu, Benno-Verlag Leipzig, 10. Auflage 1988, S. 14.

 

Die Ehemänner waren zuständig, auch für den Besitz ihrer Frauen zu unterschrieben. Das findet man 

z. B. bei der griechischen Steuererklärung von Babatha, einer jüdischen Frau im Jahr 127 nach Chr.

(Lit: Yigael Yadin:  The documents from the Bar Kokhba Period in the Cave Letters, Jerusalem, 1989, S. 65, und im Internet

http://www.pbs.org/wgbh/nova/ancient/read-an-ancient-jewish-scroll.html ).

 

 

Ob Qurinius oder eine andere Person als Statthalter die Volkszählung durchführen ließ, ist umstritten. Doch das Ergebnis kann die Zuverlässigkeit von Lukas nicht beeinträchtigen. 

 

Argumente für die Volkszählung unter Quirinius

Im Jahr 12 vor Chr. war Quirinius römischer Senator und im Jahr 1 v. Chr. war er Betreuer für den Kaiserenkel Gaius Caesar, um mit ihm die östlichen Provinzen des Reiches zu bereisen. Der Enkel sollte dort Erfahrungen in Regierungsdingen sammeln.

Zwischen den beiden Zeitpunkten befehligte Qurinius römische Legionen im Kampf gegen  räuberische Homonadenser in Cilicien (heute südliche Türkei). Wir kennen nur nicht den genauen Zeitraum dieses Feldzuges (Lit.: Tacitus: Annalen, Buch 3, 48).

 

Es gibt einige Hinweise auf den Einsatz von Quirinius. Man fand Meilensteine der Via Sebaste. aus dem  Jahr 6 v. Chr.  Diese Straße führt zum Krisengebiet und wird für die militärische Nutzung von Bedeutung gewesen sein. Siehe auch: Hardin, Galatians and the Imperial Cult, Mohr Siebeck, 2008, S. 54;

https://books.google.de/books?id=IMrJ5TX3_VMC&dq=Hardin,+Galatians+and+the+Imperial+Cult&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj4sevl28zUAhULbRQKHY0lCNEQ6A  

 

 und Fotos in http://www.panoramio.com/photo/73796630  und http://biaa.ac.uk/ckeditor/filemanager/userfiles/rrmam%20vol.%203%20milestones.pdf .

Nach dem Text einer Grabplatte, die in Venedig gefunden wurde, war Quirinius nach Ende seiner Zeit als Senator römischer kaiserlicher Legat von Syrien. Er hat eine Volkszählung in der Stadt Apamea durchführen und die Ituräer (Gebiet heute im Libanon) bekämpfen lassen (Lit.: Kroll S. 19; Ituräa ist zu finden unter http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Itur%C3%A4a.jpg ).   Das kann mit dem Aufenthalt von Herodes in Rom (um 12 vor Chr.) zusammenhängen. Damals gab es  nach Josephus Aufstände über Judäa hinaus in Syrien. (Josephus, Altertümer, XVI, 9,1).

Der Befehlshaber römischer Truppen in einer Provinz war in der Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen, z. B. während der Bekämpfung von Aufständen, Vorgesetzter auch für die römische Zivilverwaltung (z. B. Quirinius  während des Krieges gegen die Homonadenser oder gegen die Ituräer). 

Weitere Argumente sind im Internet zu finden unter:

http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.5.4.1 ; und  http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Sulpicius_Quirinius

Argumente gegen die Volkszählung unter Quirinius (darunter auch Abbildungen) sind zu finden unter: http://infidels.org/library/modern/richard_carrier/quirinius.html#Antioch

 

 

 

 

2. Der Stern der Weisen

Im Altertum waren Magier gleichzeitig Astronomen und Astrologen. Matthäus berichtet über Magier aus dem Osten, die sich aufgrund einer astronomischen Besonderheit auf die Suche nach dem neugeborenen König machen und nach Jerusalem ziehen.

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In Matthäus 2 steht:

1 Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe,

2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,

4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):

»Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,

8. Herodes schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

10. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut

 

Lange Zeit herrschte Unklarheit über diesen Text und es gab verschiedene Spekulationen.

Von den vielen Deutungsvorschlägen sind alle zurückzuweisen, die nur zu einer sehr kurzfristig sichtbaren Stern-Erscheinung führen, z. B. Sternschnuppen, Meteoriteneinfälle, Nebensonnen.

Von den längerfristig sichtbaren Erscheinungen kommt nur ein Komet, eine Supernova oder eine bestimmte Planetenkonstellation in Frage. Der Halleysche Komet fällt außer Betracht, weil er 12 vor unserer Zeitrechnung erschien. Über eine Supernova gibt es keine Berichte.

 

Nun zu der Planetenkonstellation.

Wir wissen, dass Planeten die Sonne in unterschiedlichen Abständen, Zeiträumen und Geschwindigkeiten umkreisen. Die Fixsterne bilden Sternbilder. Bedingt durch die Bewegung der Erde um die Sonne werden je nach Jahreszeit andere Sternbilder sichtbar. Für die Zwecke ihrer astronomischen Berechnungen haben die Babylonier die Bahnen der Planeten, den sog. Tierkreis mit 360 Grad (griech. Zodiakos), in 12 x 30 Grad Abschnitte aufgeteilt. Die Abschnitte wurden nach Tierkreiszeichen benannt.

Der Zeitpunkt der Begegnung von Planeten in einem Tierkreis-Sternbild lässt sich berechnen.

Der Astronom Kepler kam im Jahr 1604 als erster auf die Idee, dass beim Stern der Weisen die dreifachen Begegnungen der hellen Planeten Jupiter und Saturn im Tierkreis-Sternbild Fische eine Rolle spielen. Er errechnete als Zeitpunkt dieser Begegnungen das Jahr 7 vor Chr. (Lit. : Kroll S. 64 ff; F. Delitzsch: Wo lag das Paradies?, 1881, S.133 und

http://sternwarte-recklinghausen.de/data/uploads/dateien/pdf/sternvonbethlehem.pdf ).

 

Die babylonischen Astronomen hatten mathematische Methoden, um ziemlich genaue Voraussagen zu bestimmten Planetenerscheinungen über lange Zeiten hinweg zu errechnen.

Eine dreifache Begegnung von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische ereignet sich selten (alle 854 Jahre). Das bewegte babylonische Sternforscher. Sie betrachteten es als ein himmlisches Zeichen und fertigten dafür Berechnungstafeln an.

Auf Keilschrifttafeln der Babylonier befanden sich oft Hinweise, dass im Westen ein großer König kommen wird, der Gerechtigkeit, Friede und Freude in allen Ländern schaffen wird. Das kann durchaus damit zusammenhängen, dass in Babylon zurückgebliebene Juden die Messiaserwartung auch anderen Babyloniern mitteilten (Lit.: Ferrari d’Occhieppo: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht: Legende oder Tatsache, Giessen, 1994, S. 54).

Der Orientalist Schnabel übersetzte im Jahr 1925 eine babylonische Schrifttafel (VAT 290+1836), die das Ereignis vom Jahre 7 vor unserer Zeitrechnung voraussagte. Sie befindet sich im Vorderasiatischen Museum Berlin. (Lit.: P. Schnabel, Der jüngste datierbare Keilschrifttext, in Zeitschrift für Assyriologie, Neue Folge, 36, 1925, S. 66 ff; der Text im Internet: http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/pageview/113885 und die Abbildung dazu http://www.jenseits-des-horizonts.de/item/069/ ).

3 weitere Fragmente zu diesem Ereignis befinden sich im Britischen Museum in London (Lit.: Ferrari d’Occhieppo, S. 16). Die 4 Teile ergänzen einander weitgehend, so dass daraus die Daten fast aller vorausberechneten Himmelserscheinungen dieses Jahres ersichtlich sind.

Sowohl bei den Römern als auch bei den Babyloniern war Jupiter der Stern des höchsten Gottes und der Königstern. Wegen seiner Helligkeit war er bei den Babyloniern der Stern schlechthin. Saturn war der Stern, dem von den Babyloniern das Land amurru (Syrien mit Palästina) zugewiesen wurde (Kroll, S. 67 und Ferrari d’Occhieppo, S. 50).

Die dreifache Begegnung von Jupiter und Saturn im Tierkreis-Sternbild Fische war dann offensichtlich der Anlass der Reise der Magier nach Jerusalem, wo sie den König Herodes aufsuchten.

 

Die Angaben bei Matthäus (Kapitel 2) enthalten astronomische Ausdrücke und lassen vermuten, dass Matthäus sich auf den Bericht eines Magiers, der Christ geworden war, stützte.

Bei der Ankunft der Magier, die aus dem Osten kamen, erfuhr Herodes, dass sie den neugeborenen König der Juden suchten, weil sie seinen Stern haben aufgehen sehen. Herodes war erschrocken. Werden seine Herrschaftspläne-Pläne damit durchkreuzt?

Herodes befürchtete zeitlebens Verschwörungen gegen ihn. Er hatte mit verschiedenen Frauen Kinder gezeugt. Einige wurden hingerichtet und er musste dazu jeweils die Genehmigung des römischen Kaisers einholen.

Er ließ seine Theologen zusammenkommen und fragte sie, wo der Messias geboren werden soll. Sie antworteten, dass der Ort Bethlehem in Judäa ist. Er zog sich mit den Magiern zurück und fragte sie nach dem (ersten) Erscheinen des Sterns (im

Frühaufgang). Er wollte nämlich das Alter des Kindes schätzen (nach damaliger Auffassung ging bei der Geburt eines Menschen sein Stern auf. Siehe Kroll S. 66). Die Magier gaben ihm vermutlich den Märztermin, den Zeitpunkt der ersten Begegnung von Jupiter und Saturn beim Frühaufgang im Sternbild der Fische. Daraufhin hat er dann später in der Region von Bethlehem alle Kinder, die jünger als zwei Jahre waren, töten lassen (für diese Tötung gibt es keine außerbiblischen Nachweise).

Die Magier wanderten nach der Auskunft in Jerusalem weiter in Richtung Bethlehem. Der Jupiter ging scheinbar vor ihnen her und blieb in Bethlehem stehen (das ist ein scheinbarer Stillstand und es passiert bei einer sog. Planetenschleife, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Planetenschleife ).

Die Magier freuten sich sehr, als sie Maria, Joseph und Jesus fanden, denn sie hatten ihr Ziel erreicht. Sie beteten das Kind an und gaben ihm wertvolle Geschenke.

Nach dem Lukas-Bericht waren Hirten durch Engel zum Geburtsort von Jesus hingeführt worden und die Hirten konnten daher die Weisen informiert haben.

Beim Auffinden kann auch das Zodiakallicht eine Rolle gespielt haben. Das ist eine äußerst schwache permanente Leuchterscheinung am Himmel. Das Zodiakallicht entsteht durch Reflexion und Streuung des Sonnenlichts an den Bestandteilen der Gas- und Staubwolke, die die Sonne als dünne Scheibe in der Planetenebene umgibt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Zodiakallicht).

Der kegelförmige Lichtschein kann scheinbar von einem Stern wie dem Jupiter ausgehen und auf die Dächer eines Ortes fallen wie hier in Bethlehem (siehe Ferrari d’Occhieppo, S. 92).

 

Zusammenstellung der besonderen Sternenbewegungen im Geburtsjahr von Jesus

Nach Ferrari d’Occhieppo, S. 42 ff

Die vorausberechneten Himmelserscheinungen haben nichts mit Astrologie zu tun.

In der Bibel wird der Sternenkult abgelehnt. So hatten z. B. die Israeliten bei ihrem Wüstenzug aus Ägypten den Stern Saturn (aramäisch Kewan) als Gott umhergetragen, das war gegen ihren Gott JHWH gerichtet. Und es wurde ihnen vom Propheten Amos vorgeworfen (Amos 5, 21 – 26).

Durch dieses astronomische Ereignis haben wir einen weiteren Hinweis auf das Geburtsjahr von Jesus.

Für Christen handelt es sich um ein Zeichen Gottes: Gott will, dass das Weltereignis der Geburt von Jesus nicht nur in Bethlehem, sondern auch überregional bekannt wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung als Jahr der Geburt von Jesus Christus recht gut belegt ist, sowohl durch die Angaben zur Volkszählung als auch durch die astronomischen Befunde. Die Sternerscheinung diente dazu, dass Jesu Geburt auch den anderen Völkern bekanntgemacht wurde.

 

 

 

Dreimalige Begegnung von Planeten im Sternbild Fische (im Jahr 7 vor Chr.)

 

Datum

Erscheinung

Planet

VAT 290

BM 35429

Im Matthäustext

15.3.07

Frühaufgang

Jupiter

x

wir haben seinen Stern im Aufgang gesehen

4.4.07

Frühaufgang

Saturn

x

20.7.07

östl. Stillstand

Jupiter

x

x

24.7.07

östl. Stillstand

Saturn

x

x

15.9.07

Abendaufgang

Jupiter

x

x

15.9.07

Abendaufgang

Saturn

x

12.11.07

westl. Stillstand

Jupiter

x

der Stern, den sie im Aufgang gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er an dem Ort stand, wo das Kind war

13.11.07

westl. Stillstand

Saturn

x

Erläuterungen zur Tabelle:

 

VAT 290: Tontafel im Vorderasiatischen Museum Berlin

BM 35429: Tontafel im Britischen Museum London

Lit.: Ferrari d'Ochieppo: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht,  Giessen, 1994,

Seiten 6, 142

 

Planetenbewegungen

Wenn sich die Erde zwischen einem äußeren Planeten und der Sonne befindet

(in „Opposition“), dann überholt die schnellere Erde auf ihrer Bahn den Planeten. Der

irdische Beobachter meint, dass der Planet im Tierkreis der Fixsterne zurückläuft.

Wenn sich nach einigen Monaten die Erde wieder auf den Planeten im Tierkreis zu bewegt,

scheint der Planet eine Zeitlang vorwärts zu gehen, dann stillzustehen und danach

zurückzulaufen bis zum nächsten Stillstand. Dieser Vorgang wird Planetenschleife genannt.

Im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Planetenschleife

 

Aufgang des Sternes

Der Zeitpunkt, zu dem der Stern erstmals am Himmel erscheint, heißt der Aufgang des

Sternes. Der Aufgang kann abends erfolgen oder morgens.

 

 

 

 

 

 

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Außerbiblische Nachweise zu Pilatus

Pilatus wird bei Josephus erwähnt. In Jüdische Altertümer 18. Buch, 2,2 steht,  dass er 25 nach Chr. Landpfleger von Judäa wurde.

Es wurde auch eine Steininschrift mit seinem Namen gefunden. Internetadresse:  http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.5.1  

                                                                                                                                                                                                                                            

 

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Es gibt u. a. Funde zu Gallio, als Prokonsul in der Apostelgeschichte bekannt, dann in Korinth zum Verwalter Erastus,

zu Publius, dem Landpfleger auf Malta und zum Titel „Politarchen“ für die Stadtbehörde von Thessalonich.

 

Die Gallio-Inschrift in Delphi

Lange Zeit wusste man nicht, wann Paulus in Korinth wirkte.

In der Apostelgeschichte Kapitel 18, Verse 12 ff  wird berichtet, dass sich Juden in Korinth gegen Paulus wendeten und ihn vor den Richterstuhl von Gallio, dem Statthalter von Achaia (Achäa) brachten.

In den Jahren um 1910 wurden Fragmente eines Steins mit einer Inschrift bekannt, in welcher der Name Gallio als Prokonsul von Achäa erwähnt wurde. Die Inschrift enthielt auch Zeitangaben, so dass man den Aufenthalt von Paulus in Korinth datieren konnte. Das dient auch als wichtiges Datum für die Chronologie im Neuen Testament.

Die Fragmente befinden sich jetzt in Delphi.

Die Inschrift ist die Kopie eines Briefes vom römischen Kaiser Claudius an die Stadt Delphi. In dem Brief wird Gallio als ein Freund des Kaisers und als Prokonsul von Achäa bezeichnet.

Es war üblich, dass ein Provinzstatthalter (Prokonsul) ein Jahr oder seltener, 2 Jahre im Amt blieb.

Der Brief wurde in der Zeit der 26. Ausrufung von Claudius als Imperator (Kaiser) geschrieben. Das muss zwischen dem 25. Januar

und 1. August 52 nach Chr. erfolgt sein.

Lit. C.K. Barrett: Die Umwelt de Neuen Testaments, 1959, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, S. 58;  Adolf Deissmann: Paulus, 1925; J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen, S. 203.

Im Internet http://jesus-der-christus.info/histnt.htm und   http://www.kchanson.com/ANCDOCS/greek/gallio.html  (Korrektur dazu: Die Fragmente befinden sich jetzt in Delphi.)

 

 

Stadtkämmerer Erastus

Paulus schrieb aus Korinth in seinem Brief an die römische Gemeinde:

„Es lässt euch grüßen Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Gastgeber. Es lässt euch grüßen Erastus, der Stadtkämmerer, und Quartus, der Bruder.“  (Römer, Kap. 16, Vers 23).

Bei Ausgrabungen im Jahr 1929 in Korinth fand man auf einem Pflasterstein die Inschrift: ERASTVS-PRO-AE DILITIaI] E ]P-STRAVIT

Ohne Abkürzungen: Erastus pro aedilitate sua pecunia stravit

(»Erastus, Prokurator und Aedile, legte dieses Pflaster auf eigene Kosten«).

 

Der lateinische Name Erastus wurde in Korinth nur in dieser Inschrift gefunden.

Der Begriff Aedile (griech. oikonomos) bezeichnet die Aufgabe des Schatzmeisters der Stadt.

Der Pflasterstein stammt aus der Zeit um 50 nach Chr.

Lit.: John McRay: Archaeologie and the New Testament, Baker Book House, 1991, S. 331;  F.F.Bruce, Das Neue Testament: glaubwürdig, wahr, verlässlich, Lahr: Verlag der Liebenzeller Mission, 1997, S.102. Im Internet: http://jesus-der-christus.info/histnt.htm und Seite 4 in  http://www.die-apostelgeschichte.de/staedte_regionen/Korinth.pdf 

 

 

 

Publius, der Erste

Lukas schrieb in der Apostelgschichte über seinen Aufenthalt in Malta:

„In der Umgebung jenes Ortes aber gehörten Landgüter dem Ersten der Insel namens Publius, der uns aufnahm und uns freundlich bewirtete.“ (Kapitel 28, Vers 7).

Der Titel  „Erster der Insel“ für den obersten Beamten wurde angezweifelt.

Man hat griechische und lateinische Inschriften gefunden, die zeigen, das der Titel stimmt.

Lit.: F.F.Bruce, Archaeological Confirmation of the New Testament, in: Carl F.H.Henry (Hg), Revelation and the Bible, Grand Rapids, Baker Book House, S. 325, 1976;   Bökh, August: Corpus Inscriptionum Graecarum, Nummer 5754, Berlin, 1877;

im Internet: http://jesus-der-christus.info/histnt.htm

 

 

 

Stadtbehörde von Thessalonich: Politarchen

Lukas berichtet in der Apostelgeschichte über einen Vorfall in Thessaloniki:

„Und sie zogen vor das Haus Jasons und suchten sie vor die Volksmenge zu bringen. Als sie sie aber nicht fanden, schleiften sie Jason und einige Brüder zu den Obersten der Stadt und schrien: Die die ganze Welt in Aufruhr brachten, sind jetzt auch hier, “ (Kapitel 17, Verse 5 und 6).

Lukas hat für die Obersten der Stadt das griechische Wort „Politarchen“ verwendet.

Dieses Wort ist in der klassischen griechischen Literatur nicht zu finden und die Richtigkeit wurde angezweifelt. Doch inzwischen gibt es viele Belege für den Begriff, allein 19 aus Thessaloniki.

Lit.: John McRay: Archaeologie and the New Testament, Baker Book House, 1991, S. 294 und 295;

F.F.Bruce, Archaeological Confirmation of the New Testament, in: Carl F.H.Henry (Hg), Revelation and the Bible, Grand Rapids, Baker Book House, S.325; im Internet: http://jesus-der-christus.info/histnt.htm

 

 

 

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Außerbiblische Nachweise zu Ortsnamen

 

                                                                                                                                                                                                                                     

                                                                                                                                                                                                                                      

                                                                                                                                                                                                                                      

Jerusalem - Teich Betesda

Lange Zeit galt der Betesda-Teich als eine Erfindung der Evangelienschreiber. Es gibt einen interessanten Grabungsbericht  von Gerhard Kroll. Danach fand man 1873 in Jerusalem erste Spuren einer Zisterne. 1914 wurde der Südteich (60 x 50 m) mit einer Zwischenwand und 1931 der Nordteich entdeckt. 1958 wurden die Grabungsarbeiten in größerem Stil fortgesetzt. Angaben bei Eusebius, in alten Pilgerberichten, auf Qumran-Kupferrollen, Münzenfunde, u.a.m. führten zur Erkenntnis, dass die beiden Teiche von Betesda gefunden worden sind. Sie wurden überbaut von römischen Heiligtümern, einer byzantinischen Basilika und einer Kreuzfahrerkirche; alle Gebäude sind zerstört worden.  

Reste der Zwischenwand des Südteiches sind heute noch gut zu erkennen.

In der Abbildung blicken wir auf den nördlichen Teil des Südteiches. Unten befindet sich der ausgeschachtete Teil des Südteiches, darüber Reste der byzantinischen Kirche. Rechts unten ein Teil der alten Trennwand zwischen den beiden Teichen. (Nach Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu, Benno-Verlag Leipzig, 10. Auflage 1988, S. 248 ff)

                                                                                                                                                                                                                              

                                                                                                                                                                   

                                                                                                                                                                       

                                                                                                                                                                      

 Tempel in Jerusalem

Der unter Herodes gebaute Tempel wurde 70 nach Chr. von den Römern erobert und zerstört. Zu Ehren des Kaisers Titus für dessen Sieg in Judäa und die Eroberung Jerusalems wurde in Rom der Titusbogen gestiftet. In einem Relief  tragen Diener die Beutestücke aus dem Jerusalemer Tempel, u. a.  den siebenarmigen Leuchter (Menora).  Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Titusbogen

Jesus Christus hatte die Zerstörung des Tempels prophezeit (Matthäus 24,2).

Es wurden auch Inschriften auf Steinen gefunden, die bei Androhung der Todesstrafe Fremde warnen, die Abschrankung des Tempels zu übertreten. Siehe:  http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.5.6.8. Der Tempel und seine Vorhöfe waren von einer mächtigen Mauer umgeben, deren Fundamente noch in der Westmauer („Klagemauer“) enthalten sind. Die Westmauer ist hier im linken Bild zu sehen.

Auch die Südostecke der Tempelmauer stammt noch überwiegend aus der Herodeszeit, im rechten Bild zu erkennen an den großen Quadern. Die oberen Aussparungen der Mauer werden als Zinne bezeichnet. Im Volksmund wird bei dieser Mauerstelle an die Versuchungsgeschichte von Jesus gedacht. (Lit.: Kroll: Auf den Spuren Jesu, s. o., S. 132).

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

                                                                                                                                                                                                                                      

 

Jerusalem – Teich Siloah

 

Im Bild sehen wir die im Jahr 2004 ausgegrabenen etwa 30 m breiten Stufen, von König Herodes gebaut, die zum Teich Siloah hinabführten. Der Teich selbst liegt nicht frei, sondern unter einem Garten mit Ölbäumen. Grabungen im Garten sind noch nicht gestattet.

Der Blinde wurde von Jesus zu diesem Teich geschickt, um seine Augen zu waschen und sehend zu werden (Johannes Kapitel 9, Vers 7).

 

Im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Teich_von_Siloah

 

 

Treppen zum Teich Siloah

 

 

                                                                                                                                                                                                                               

                                                                                                                                                                                                                             

Jerusalem - Gethsemane

Gethsemane ist die Bezeichnung für einen Garten am Fuße des Ölbergs. Die Bezeichnung wird abgeleitet von dem hebräischen Wort „Gat Schemanim“ und bedeutet Ölkelter (Lit: Gorys, Andrea: Jerusalem und Umgebung, Dumont, 1999, S. 111). In Gethsemane soll Jesus vor seiner Verhaftung lange gebetet haben. Hier fiel die Gehorsamsentscheidung gegenüber seinem Vater im Himmel, die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt zur Folge hatte und weltgeschichtliche Bedeutung bekam (Lit.: Lukas, Kapitel 22, Verse 39 ff; Matthäus Kapitel 26, Verse 36 – 46). Der letzte Weg führte Jesus von Gethsemane durch das Kidrontal nach Jerusalem zum Gericht und nach Golgatha zur Kreuzigung. Vor der Himmelfahrt versammelte Jesus Christus seine Jünger auf dem Ölberg (Lit.: Apostelgeschichte Kapitel 1, Verse 4 – 12). Bei Bauarbeiten für die Kirche der Nationen im Jahre 1924 an der überlieferten Stelle des Ölberges wurden Mosaike u. a. Baureste einer byzantinischen Kirche aus dem 4. Jahrhundert nach Christus gefunden. Im danebenliegenden Garten befinden sich noch jahrhundertealte Ölbäume.

 

Blick auf den Ölberg und den letzten Weg von Jesus (links)

Gemäß Sacharja Kapitel 14 wird Gott sein Volk in der Zeit der großen Bedrängnis vom Ölberg her retten. Die jüdische Tradition erwartet Auferstehung und Gericht im Kidrontal beim Ölberg, deswegen sind dort seit alten Zeiten große Gräberfelder entstanden

(Lit.: Lexikon zur Bibel, Hrsg. Rienecker- neu bearbeitet von Gerhard Maier,  SCM R.Brockhaus, Witten, 2010, Spalte 571).

 

 

 

                                                                                        

                                                                                                                                                                                                                                          

                                                                                                                                                                                                                                         

                                                                                                            

                                                                                                                                                                                                                                         

 

       Kirche der Nationen                                                                                Ölbäume im Garten Gethsemane

 

 

Jerusalem-Grabeskirche

 

Nach den Evangelien fand die Kreuzigung von Jesus auf dem Hügel Golgatha statt. Das Gelände um Golgatha wurde in früher Zeit als Steinbruch benutzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde diese Nutzung im 1. Jahrhundert vor Chr. beendet, weil die Qualität des Kalksteins zu schlecht war. So ist Golgatha eine kleine isolierte Anhöhe im Steinbruchgelände geblieben (Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu, Benno-Verlag Leipzig, 10. Auflage 1988, S. 366)

 

Der Kirchengeschichtler Eusebius berichtete, dass Kaiser Hadrian nach blutiger Niederschlagung des jüdischen Bar Kochba-Aufstandes um 135 nach Chr. den Hügel Golgatha hatte aufschütten lassen und stattdessen dort zu Ehren der Göttin Aphrodite (bei den Römern hieß die Göttin Venus) einen Tempel errichten ließ. Damit sollte die Verehrung von Christus beendet werden.  Juden wurden nach dem Bar Kochba-Aufstand aus Jerusalem ausgewiesen.

Die ersten Angaben zur Grabeshöhle stammen von Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses, die sahen, wo Jesus hingelegt wurde  (zu finden in Markus 15, 47).  

Anfangs hatten Juden, die Jesus als Messias annahmen, die Ortstradition des Golgatha-Felsens beibehalten. Das wurde nach der Ausweisung der Juden durch heiden-christliche Gemeinden weitergepflegt.

Kaiser Konstantin tolerierte den christlichen Glauben. Im Jahr 326 nach Chr. gab er den Befehl, den Aphrodite-Tempel samt Aufschüttung zu beseitigen. Stattdessen ließ er um Golgatha eine prachtvolle Gedenkstätte für Christus errichten (Lit.: Kroll S. 378 ff ; Bibliothek der Kirchenväter, Zweite Reihe, Kirchengeschichte des Eusebius Pamphili, Bischofs von Cäsarea, Verlag Kösel und Pustet, München,1932, IV. Buch, 6. Kapitel;  Ausgewählte Schriften: Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin, Buch III: Kapitel 25, 26, 27, 30, 41 und Über die Märtyrer in Palestina, 1913, Kapitel XI).  Diese Kirche umfasste auch die Grabeshöhle und wurde Grabeskirche genannt. Sie wurde im Lauf der Zeit einige Male zerstört und wiederaufgebaut.

 

Bibelstellen belegen (Matthäus 28, 11; Hebräer 13, 12; Johannes 19, 20 und 41), dass Golgatha außerhalb der Stadt und in der Nähe eines Gartens war. Das spricht für die jetzige Lage  im Norden des alten Jerusalem.

Eine Zeitlang wurde behauptet, dass es in der Grabeskirche kein Grab hätte geben können, weil Tote nur außerhalb der Stadt beerdigt werden durften. Da man auch alte Felsengräber in unmittelbarer Nähe der Grabeskirche fand, war diese Behauptung widerlegt

(Kroll S. 102).

 

Die Golgathakapelle der heutigen Grabeskirche befindet sich über dem Golgatha-Felsen. Im Bereich des griechisch-orthodoxen Teiles ist ein Altar über der Stelle, wo das Kreuz Christi aufgerichtet war. Zwischen den beiden Säulen, die die Altarplatte tragen, bedeckt eine runde silberne Platte diese Stelle.

Der unmittelbare Felsteil, in den der Kreuzesstamm eingelassen war, wurde von orthodoxen Griechen im Jahr 1809 herausgemeißelt. Er sollte nach Konstantinopel überführt werden. Das Schiff strandete an der syrischen Küste und das Felsstück ging für immer verloren. (Kroll, S. 364)

 

                                                                                                                                                                                                                                         

                                                                                                                                                                                                                                           

 

 

 

                                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      Griechisch-orthodoxer Altar

                            Darunter der Golgatha Felsen

                                                                                                                                                                                                                                   

                                                                                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                                                                                                           

      Zum Grab von Jesus findet man Weiteres in der Internetseite:

http://www.jesus.ch/information/feiertage/ostern/hintergrund/103972-das_grab_von_jesus.html

                                                                                                                                                                                                                                     

 

 

 

 

 

 

Bethlehem

Der Ort liegt ca. 8 km südlich von Jerusalem. Hier wurden David und Jesus geboren (Lit.: 1. Samuel Kapitel 16, Vers 1 und Lukas Kapitel 2, Verse 4 ff). Für die Geburtsgrotte von Jesus Christus gab es das Zeugnis seiner nächsten Blutsverwandten (die Mutter Maria und der Bruder Jakobus),  Bethlehem war ja nicht weit weg von Jerusalem.  Unter Kaiser Hadrian wurde über dieser Stelle ein kultischer Hain zu Ehren des ägyptischen Gottes Adonis angelegt. Damit sollte das Gedenken an Jesus ausgelöscht werden.

Die Ortsbewohner pflegten jedoch die Erinnerung und Kaiser Konstantin hatte daher einen guten Grund, dort den Bau der Geburtskirche im Jahr 325 nach Chr. anzuordnen (nach Bargil Pixner: Wege des Messias und Stätten der Urkirche, Gießen, 1996, S. 31 und 32).

 

 

                                                 

 

 

 

Vor Bethlehem (sog. „Hirtenfelder“)

                  Eingang zur Geburtskirche

                                                                                                         

 

 

 

 

 

 

               

 

 

Konstantinisches Mosaik in der Geburtskirche

Stelle der Geburt Jesu

 

 

 

 

 

Emmaus

Rund 8,5 km westnordwestlich von Jerusalem, an der Autobahn zwischen Jerusalem und Tel Aviv, liegt Emmaus, der Ort, der auch bei Josephus erwähnt wird (u. a. Altertümer XIII, 1,3; XIV, 11,2; XVII, 10,7 und 10,9).

Die Besiedlung durch fromme Juden bis zur Zerstörung Jerusalems 70 nach Chr. konnte 2001 und 2002 durch einen Münzfund, ein Tonkrug-Fragment und ein Bruchstück eines Reinigungsgefäßes nachgewiesen werden.

(Nach einer Information der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel von 2003; zuständig war damals der inzwischen verstorbene Prof. Carsten Peter Thiede)

 

 

Cäsarea

 Die Stadt war Regierungssitz der römischen Besatzungsmacht. Paulus wurde zum Verhör nach Cäsarea gebracht (Lit.: Apostelgeschichte Kapitel 23, Verse 23 ff). Von den Überresten der römischen Stadt ist die hier abgebildete Wasserleitung (Aquädukt)  besonders markant.

 

 

 

 

 

 

Kapernaum

Die Kleinstadt Kapernaum (Kafarnaum) galt als verschollen. 1894 begannen Franziskaner im Ruinenfeld von Tell Chum zu graben. Es wurde eine Synagoge (hier im Bild) mit Münzen aus dem 4. Jahrhundert nach Chr. gefunden.

Unter dieser Synagoge wurde 1980 die Synagoge aus der Zeit von Jesus gefunden (die Keramik unter dem untersten Basaltpflaster stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Chr.). Wie auf dem Bild zu erkennen ist, liegt die helle Kalksteinmauer auf der dunklen Basaltmauer der Synagoge aus dem 1. Jahrhundert.

 

 

Einige Bestandteile der Synagoge aus dem 4. Jahrhundert werden im Folgenden extra gezeigt.

                                                                                                                                                                                                                                              

 

 

 

                                               

 

 

 

 

 

Karren mit beweglichem Thoraschrein

                         Menora am Kapitell einer Säule

                                                                                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                                                                                                          

                                                                                                                                                                                                                                           

 

 

 

 

 

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts war Kapernaum ein jüdischer Ort, in dem keine Nicht-Juden wohnen durften. Bei Ausgrabungen wurde ein Haus  entdeckt, von dem man meinte, dass dort Petrus gewohnt hat

In dem  Petrus-Haus (unten im Bild alte Mauern eines viereckigen Raumes) muss es vor Ende des 4. Jahrhunderts messianische Juden gegeben haben. Man fand dort auf Mörtelresten Graffiti mit Gebeten und Anrufungen des Namens Jesus sowie des Petrus, die in die Wand dieses als Hauskirche dienenden Gebäudes eingeritzt waren.  

Im 5. Jahrhundert wurde dann darüber eine achteckige byzantinische Kirche errichtet. Im Bild sind ihre Mauerreste über dem Petrus-Haus zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

Außerdem wurden in der Umgebung römische Bauten aus behauenem Kalkstein mit heizbaren Badeanlagen gefunden (mit Keramik aus dem 1. Jahrhundert nach Chr.). Das war wahrscheinlich eine römische Garnisonsanlage. Man kann an die Geschichte des Hauptmanns von  Kapernaum denken. Der römische Hauptmann, der den Juden dort eine Synagoge gebaut hatte, bat Jesus um die Heilung seines Dieners  (Lukas 7, Verse 1 – 10).

(Lit.: Bargil Pixner: Wege des Messias und Stätten der Urkirche, hrsg. Rainer Riesner, Gießen, 1996, S. 114 ff, S. 124, 125;

Emmanuele Testa: Cafarnao,  I graffiti della casa di S. Pietro, Franciscan printing  press, Jerusalem, 1972)

 

 

 

 

                     Der See Genezareth bei Kapernauum (Blick von  der Kirche der Seligpreisungen)

                                                                                                                                                                                                                   

 

Chorazin

 

Das ist ein Ort in der Nähe von Kapernaum, über dem Jesus Christus das Wehe ausgesprochen hatte, weil seine Bewohner die Taten von Jesus ignorierten und nicht zu Gott umkehrten (Matthäus 11, 21 und Lukas 10, 13). Die Ruinen zeigen, dass hier eine beachtliche Stadt mit einer Synagoge gestanden hat.

 

 

 

 

 

 

Ephesus

Ephesus war eine Hafenstadt und wurde unter den Römern zur Hauptstadt der Provinz Asia. Sie war in jener Zeit die bedeutendste Metropole Kleinasiens, der heutigen Türkei. Das Heiligtum der Artemis (Diana) unterstrich die Bedeutung. Das hier abgebildete Theater bot über 24000 Menschen Platz. Es war der Schauplatz eines Aufruhrs gegen missionierende Christen (Apostelgeschichte Kapitel 19, Verse 23 – 40). Im neuen Testament befindet sich ein Brief von Paulus an die Christen in Ephesus.

 

 

 

                                                                                                                                                                                                        

Philippi

 

In Philippi, einer bedeutenden Stadt Mazedoniens, verkündigten Paulus und Lukas das Evangelium und dort entstand die erste christliche Gemeinde Europas (Apostelgeschichte Kapitel 16, Vers 11). Im Bild sehen wir die Reste des antiken Marktplatzes von Philippi.

Im neuen Testament befindet sich ein Brief von Paulus an die Christen in Philippi.

 

 

 

 

 

Pergamon (auch Pergamus genannt)

Diese Stadt befindet sich nördlich von Ephesus und heißt heute Bergama. Die größte Bedeutung hatte sie im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus. Zwei berühmte Bauwerke sind dort zu finden: Der Zeusaltar, auch Pergamonaltar genannt (die Fundamente sind noch am Ort,  der Altar wurde im Berliner Pergamonmuseum wiederaufgebaut), und das Heiligtum von Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst.  Weitere Einzelheiten im Internet unter http://de.wikipedia.org/wiki/Pergamon und http://de.wikipedia.org/wiki/Pergamonaltar . Im Neuen Testament (Offenbarung Kapitel 2, Vers 13) ist von einem Thron des Satans die Rede. Vermutlich ist eines dieser Bauwerke gemeint. 

 

 

 

                                                                        

 

 

 

 

 

 

 

                 Therapiestätten im Asklepion                                                                                            Fundamente des Zeusaltars

 

                                                                                                                                                                                                                             

 

 

Zu Namen anderer antiker Städte

Viele antike Städte, die in der Apostelgeschichte genannt werden, konnten identifiziert werden.

 Internetadresse:    http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.5.4.4   

 

 

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Außerbiblische Nachweise zu Gegenständen

 

 

Nachweis für eine Kreuzigung in Judäa

Es wurden Fersenknochen (ca. aus dem Jahre 70 n.Chr.) gefunden, die von einem eisernen Nagel durchbohrt waren. Die Schienenbeine waren auch durchbrochen.

 

Lit.: N. HAAS: Anthropological Observations on the Skeletal Remains from Giv'at ha-Mivtar  Source: Israel Exploration Journal, Vol. 20, No. 1/2 (1970), pp. 38-59 Published by: Israel Exploration Society Stable, URL: http://www.jstor.org/stable/27925210;

Internetadresse:  http://jesus-der-christus.info/histnt.htm#2.5.3

 

                                                                                                                                                                                                                             

 

Das Jesusboot

Ein Boot  aus dem 1. Jahrhundert nach Chr. wurde 1986 im Uferschlamm des Sees Genezareth entdeckt, nachdem der Wasserspiegel nach langer Trockenzeit einen Tiefstand erreichte.  Das Holz für den Schiffbau wurde zwischen 40 vor und 80 nach Chr. geschlagen. Das Boot wurde einer mehrjährigen Behandlung unterzogen und im Jahr 2000 in das „Jigal-Allon-Zentrum“ am See Genezareth gebracht.

Es ist ca. 8,20 m lang und bis 2,35 m breit. Man vermutet, dass das Boot von 5 Personen bedient wurde und von 2 Ruderpaaren oder einem Segel angetrieben wurde. (Nach idea-Spectrum 10/2000,  8. März, S. 17)

Internetadresse für eine Abbildung des Bootes: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Sea_of_Galilee_Boat

 

Jesus war oft am See Genezareth. Dort fand er auch seine ersten Jünger (Schüler). Als er einmal mit ihnen im Boot in einen Sturm geriet, waren sie in Todesangst. Durch ein Wunder beruhigte er den Sturm  (zu finden in: Matthäus 8, Verse 23 – 27;

Markus 4, Verse 35 – 41; Lukas 8, Verse 22 – 25).

 

 

In Kapernaum wurde bei der Synagoge aus dem 4. Jahrhundert diese Abbildung eines Bootes gefunden.

                                                                                                

 

 

 

 

Sandale

In der ehemaligen Festung Masada wurde u. a. die Sandale einer Frau gefunden, die mit ihrem Mann und dem kleinen Kind im Jahr 73 nach Chr. den Tod gefunden hat. Die Sandale ist abgebildet bei Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu (s. o.), S. 94.

Im Internet:  http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/04paul/nt69.htm#bild

 

 

                                                                                                                                                                                                                            

 

Münzen

Das Foto einer Tetradrachme mit Abbildung von Kaiser Augustus ist bei Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu (s. o.), S. 184 zu finden.

Man kann auch an die Geschichte mit der Steuerzahlung denken. Jesus wurde von Juden gefragt, ob es recht ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Da ließ er sich eine  Denar-Münze geben, die hatte auf einer Seite ein Portrait des Kaisers Augustus. Dazu sagte er: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser zusteht und gebt Gott, was Gott zusteht (In Matthäus 22, Verse 17 – 22).

Anschließend die Internetseite mit der Abbildung einer Denar-Münze aus der Zeit von Kaiser Augustus.

http://www.ruhr-uni-bochum.de/althist/muenz/Denar%2012%20n.%20Chr.html

 

 

 

 

 

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Anhang:

                                        Griechisches Alphabet

 

 Die Graphik wurde aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Griechisches_Alphabet#Zeichentabelle entnommen und leicht ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anhang:

Standardtext-Entwicklung

(Entwicklung einer einheitlichen Fassung des griechischen Neuen Testaments in der Neuzeit)

 

 

Es zeigte sich die Notwendigkeit, eine einheitliche Fassung des griechischen Neuen Testaments zu entwickeln, um für Übersetzungen in andere Sprachen eine sichere Grundlage zu besitzen. Kurt und Barbara Aland haben in ihrem Buch: Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart, 1982 ausführlich über die historische Entwicklung einer einheitlichen Fassung des griechischen Neuen Testaments geschrieben. Ausgangspunkt war die Fassung des griechischen Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam im Jahr 1516. Er benutzte lediglich Handschriften des 12. und 13. Jahrhunderts mit dem byzantinischen Reichstext (Koine).  Auf dieser Basis gab der Holländer Elzevier 1633 eine Fassung heraus, die auch als „Textus receptus“ bekannt geworden ist.

Erst im 18. Jahrhundert wurden zusätzliche Handschriften als Quellen benutzt, so von Bengel und Wettstein.  Lachmann und Tischendorf

strebten als Ausgangspunkt Handschriften des 4. Jahrhunderts an. Die Engländer Westcott und Hort stützten sich hauptsächlich auf den Codex Vaticanus.

Nestle und sein Nachfolger Aland haben alle verfügbaren Handschriften einbezogen und einen textkritischen Apparat eingeführt.

Schließlich wurde ein internationales Komitee einberufen, um einen Standard-Text zu erstellen. Kurt Aland war einer der Teilnehmer. Mehrheitsentscheidungen im Komitee waren Bestandteil des Verfahrens, mit allen Vor- und Nachteilen.

Es liegen Fassungen des Textes vor und es wird weiter daran gearbeitet.

Dieser Standard-Text wird durch internationale Bibelgesellschaften und parallele Organe der katholischen Kirche verbreitet.

 

 

Zum Standardtext Nestle-Aland im Internet:

http://www.nestle-aland.com/de/startseite/  und  http://www.nestle-aland.com/de/na28-online-lesen/

 

 

 

 

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Anhang:

 

Gott beginnt mit Jesus Christus die Wende in der Menschheitsgeschichte. Was bei den ersten Menschen in der Bibel, Adam und Eva, angefangen hatte und sich bei allen Generationen fortsetzte, Schuld im Leben und als Folge der Tod, wurde durch Jesus Christus beendet.

Wir Menschen wollen eigene Wege gehen und uns von Gott nichts sagen lassen. Wir wollen von ihm unabhängig sein und haben in unserer Geschichte viel Schuld auf uns geladen. Doch Gott hat uns, seine Geschöpfe, nicht in der Verlorenheit des Weltalls allein gelassen. Das Gerichtsurteil über die Menschheit hat er über Jesus Christus, seinen Sohn, gesprochen, der auf die Erde kam und am Kreuz von Golgatha für die Schuld aller Menschen erbärmlich sterben musste.

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einziggeborenen Sohnes Gottes (Johannes Kapitel 3, 16 ff).

Jesus Christus hat dem jüdischen Theologen Nikodemus gesagt, dass diese neuen Voraussetzungen erforderlich sind, um zu Gott zu kommen. Er hat auch hinzugefügt, dass Menschen die himmlischen Dinge nicht verstehen können und hat damit Spekulationen über die zukünftige Welt den Boden entzogen (aus Johannes 3).  Auf jeden Fall passen die Berichte der Evangelien, z. B. über Krankenheilungen, Erweckung von Toten und Erscheinungen von Engeln, nicht in unsere Erfahrungswelt und werden deshalb oft angezweifelt.

 

Jesus ist die Erfüllung von Prophetien im Alten Testament  (z. B. Jesaja 53). Nach Angaben in den Evangelien hat Jesus gesagt, dass er sein Leben zur Erlösung für viele opfert (Mathäus 20, 28 und Markus 10, 45). Das geschah durch die Kreuzigung. Die Kreuzigung war eine äußerst grausame Todesstrafe der Römer (nähere Einzelheiten in http://www.soulsaver.de/glaube/kreuzigung/ ).

 

Das größte Ereignis war die Auferstehung von Jesus Christus nach dem leidvollen Tod am Kreuz. Das hat alle Anhänger in ihren Vorstellungen umgeworfen, auch die Skeptiker. Er ist nicht als Seele auferstanden, sondern leibhaftig. Diese Auferstehung war der Auslöser für die gewaltige Ausbreitung seiner Lehren.

Schon sehr früh sind Menschen dagegen vorgegangen, anfangs von römischer und jüdischer Seite. Von Betrug war die Rede. Seine Anhänger hätten den Leichnam gestohlen.

Etwas feinere Argumente kamen in neuerer Zeit auf. Die Jünger von Jesus hatten ihr ganzes Leben auf den Glauben an den Messias Jesus gesetzt. Noch im letzten Moment hatten sie die Niederwerfung der Feinde erwartet. Nach der Katastrophe war in ihnen alles zerbrochen. Da ist in ihrem Unterbewusstsein die Gewissheit aufgestiegen: Er lebt. Das hat in ihnen die Vision von der Auferstehung erzeugt.

Eine ähnliche Argumentation lautet so: Jesus war ein bedeutender Mensch, der allerdings wie alle anderen gestorben ist. Die junge Gemeinschaft der Anhänger, von Feinden umgeben, hatte das Bedürfnis nach einer göttlichen Gestalt und nach einem Geschehen, das Rettung begründet. Ein gewisses Ostererlebnis hat Christus als Herrn geformt. So ist in der Gemeinschaft Christus als Kultgestalt entstanden.

 

Dagegen ist zu bedenken, dass die Apostel keine Auferstehung erwartet hatten. Die Gestalt eines Mensch gewordenen Gottes, der seinen Körper in den himmlischen Zustand mitnimmt, war jüdischem Denken vom Alten Testament her fremd. Zum Argument der religiösen Erschütterung ist zu sagen: Wie kommt es, dass sich die Erschütterung nicht nur vorübergehend hält, sondern dass daraus eine weltweite Bewegung wird, die sich schon seit 2000 Jahren gegen viele Widerstände gehalten hat.

Paulus selbst, der große Missionar seiner Zeit, sagt, dass mit Annahme oder Ablehnung der Auferstehung von Christus der christliche Glaube steht oder fällt. D. h., sie ist keine Randerscheinung des Glaubens. Jesus führt nicht mit edlen und innerlichen Werten und Kräften dieser Welt weiter, sondern mit ihm beginnt ein neues Dasein.

Wir können anfangen, mit Christus über alles andere nachzudenken. Christus ist auferstanden, also ist die Auferstehung möglich und seine Auferstehung die Grundlage für unsere Auferstehung. Sein irdischer Tod ist ein wenn auch schmerzlicher Durchgang zur Ewigkeit.

Die Visionen der Jünger, die den Auferstandenen erblickt haben, sind ein Eintritt in eine höhere (transzendente) Wirklichkeit. Ihn, den auferstandenen Christus zu schauen, war Erschütterung, Sprengung alles Gewohnten. Von dort her kommen in den Berichten die neuen Worte: er „erscheint“, „verschwindet“, „steht auf einmal mitten im Saal“, „steht plötzlich neben einem“, usw.

Von dort her kommt in den Bericht das Plötzliche, das Abbrechende, das Hin-und-Her-Zuckende, das Widersprüchliche – echte Form für einen nach Ausdruck verlangenden, echten Inhalt, der die alte Form sprengt.

(Text nach Guardini: Der Herr, 2007, Matthias-Grünewald-Verlg, S. 489 ff)

 

Im Anschluss an die Auferstehung ist in der Bibel davon die Rede, dass Christus in den Himmel aufgefahren ist. Die Vorstellung der Himmelfahrt kann zu Irritationen führen. Der biblische Himmel hat nämlich nichts mit planetarischen oder galaktischen Räumen zu tun und es geht auch nicht um eine Weltraumfahrt. Der biblische Himmel, in dem Gott sichtbar regiert, umfasst andere, viel weitere Dimensionen, als wir Menschen uns vorstellen können. Schon Salomo sagte: „Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen…“ (1.Könige 8,27). Himmel steht hier in der Bildersprache, wie sie oft in der Bibel gebraucht wird, wenn Vorgänge und Zustände beschrieben werden, von denen wir Menschen keine Vorstellung haben. Der auferstandene Christus lebt nicht mehr unter den Bedingungen von Raum und Zeit in dieser Welt (Lit.: Theo Sorg: Woran Christen glauben, Calwer Verlag Stuttgart, 2010,  S. 103 ff; F.F.Bruce, Das Neue Testament: glaubwürdig, wahr, verlässlich, Lahr: Verlag der Liebenzeller Mission, 1997, S.69 ff;  Willem J.J.Glashouwer Die Geschichte der Bibel, Bielefeld, CLV,1998, S. 163 ff).

 

Jesus Christus ist seit der Auferstehung wieder Herrscher im Himmel und auf der Erde. Vor der Himmelfahrt verließ er seine Anhänger (Jünger) nicht stillschweigend, sondern gab ihnen einen Auftrag und versprach ihnen Hilfestellung durch seinen Geist, der in ihnen wirksam werden wird.  Er fordert seine Anhänger auf, loszuziehen und seine Botschaft von der Begnadigung weiterzusagen. Neue Anhänger sollen auf den Namen des dreieinigen Gottes (Vater, Sohn, heiliger Geist) getauft werden und gelehrt werden, was Jesus gesagt hat, um es zu praktizieren (Matthäus 28, 16 ff).

Eines Tages wird Jesus vom Himmel auf die Erde zurückkommen, um die Menschheit zu richten (Matthäus 24, 29 ff und 25, 31 ff).

Diejenigen, sich ihm  anvertraut und ein neues Leben angefangen haben, sind von ihrer Lebensschuld freigesprochen und dürfen ohne Zeitbegrenzung bei ihm in Gottes Herrlichkeit bleiben. Diejenigen, die ihn auf dieser Erde abgelehnt haben, haben sich selbst anders entschieden (Johannes 3, 16 ff).

Diese Kurzfassung über die Lehren Jesu soll dazu anregen, selbst in der Bibel zu lesen. Der Bibeltext, von Gottes Geist erklärt, lässt uns vieles verstehen und führt uns weiter.

 

 

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 Anhang:

 

Zu außerkanonischen Lehren

 

Gnosis

Beschreibung:

Mit Gnosis (griechisch, heißt auf Deutsch: Erkenntnis) wird eine Reihe von Lehren bezeichnet, die die Evangelien ändern und ergänzen wollen durch eine Fülle von Spekulationen über die Natur und das Jenseits. Die meisten Lehrer erklären nicht, woher sie ihre Erkenntnisse holen, doch sind Anleihen beim griechischen Platonismus und bei Lehren des Orients erkennbar.

Durch Erkenntnis soll die Erlösung erlangt werden. Das, was in der christlichen Gemeinde gelehrt wird, sei eine Vorstufe. Nur die gnostische Kirche sei die wahre Kirche.

Irenäus beschrieb in seinem Werk „Gegen die Häresien“ einige gnostische Lehren. Danach begann die Gnosis bei dem Magier Simon Magus aus Samarien.  Simon wollte den Aposteln Geld geben, um die Kraft des heiligen Geistes zu bekommen und damit Geschäfte machen (Apostelgeschichte 8,9). Petrus wies ihn scharf zurecht, aber Simon wurde nicht einsichtig, sondern entwickelte eine eigene Lehre. Er ließ sich als allerhöchste Kraft verherrlichen und zog mit einer Prostituierten umher, die eine Wiedergeburt der trojanischen Helena sei. Wer an ihn und seine Helena glaube, der ist gerettet und kann machen was er will. Seine Schüler entwickelten davon abweichende Lehren (Gegen die Häresien I, 23).

Ein anderer Gnostiker, Kerinth, der in den 90’er Jahren in Kleinasien lebte, lehrte, dass die Welt nicht von Gott, sondern von einer Kraft gemacht worden war. Jesus sei nicht von einer Jungfrau geboren, sondern Sohn von Maria und Joseph. Nach der Taufe sei das Urprinzip Christus als Taube auf Jesus herabgestiegen. Am Ende seines Lebens sei das Urprinzip wieder von Jesus gewichen. Christus, der Geist war, musste nicht leiden (Gegen die Häresien I, 26).

Valentin tritt um 135 in Ägypten auf und zieht 20 Jahre später nach Rom. Er lehrt: Aus einer Zweiheit Unaussprechlichkeit und Stille entstand  eine weitere Zweiheit Vater und Wahrheit. Dieser Vierheit entspringen Wort und Leben, Mensch und Kirche. Das ist die erste Achtheit, usw. Schließlich werden daraus 30 Äonen, die das Geistreich des unsichtbaren Vaters (Pleroma) bilden. Die Mutter von Christus habe das Geistreich verlassen. Jesus stamme von Christus ab, der sich zum Geistreich erhob, oder von Menschen und der Kirche. Er nennt seine Schrift „Evangelium der Wahrheit“. (Gegen die Häresien, I, 11,1).  In Oberägypten (Nag Hammadi) wurde eine Schrift mit diesem Titel gefunden (Lit: Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band I, 2000, S. 87).  

Die Gnostiker scheuen sich nicht, ihre Schriften unter Namen von Aposteln zu verbreiten (Petrusevangelium, Thomasevangelium, Philippusevangelium, usw.).

Einige christliche Theologen des 2. und 3. Jahrhunderts, wie Justin, Irenäus und Tertullian, haben gnostische Lehren beschrieben und sie widerlegt. (Lit.: K. Aland: Geschichte der Christenheit, Gütersloh, 1980, S. 98 ff ; Sierszyn, S. 83;

im Internet: http://www.newadvent.org/cathen/06592a.htm )

 

Entgegnung von Irenäus:

Johannes widerlegte durch sein Evangelium den Irrtum der Gnostiker Kerinth und der Nikolaiten. Nach Johannes ist der, der die Welt geschaffen hat, auch der Vater von Jesus Christus. Im Gegensatz zu den Lehren der Gnostiker wurde das Wort (der „Geist“) Fleisch. Irenäus zitiert auch Polykarp: Als Johannes in Ephesus ins öffentliche Bad gehen wollte und dort Kerinth entdeckte, ging er sofort weg. Er fürchtete, dass das Bad einstürzte, wenn Kerinth, der Feind der Wahrheit, drinnen ist (Gegen die Häresien, III, 3 und 11).

Irenäus schreibt, dass es nicht zwei oder drei gnostische Lehren gibt, die über einen Gegenstand dasselbe aussagen. In Bezeichnungen und Sachen widersprechen sie sich völlig (Gegen die Häresien, I, 11,1).

Zur Wiedergeburt führt Irenäus aus, dass sich die Seelen an ihr Vorleben erinnern müssten, um nicht immer wieder dieselben Fehler zu machen. Plato, von dem die Lehre kommt, sprach von Becher des Vergessens, den die Seele vor ihrem Eintritt in das Erdenleben trinkt. Doch woher soll die Seele von diesem Becher wissen? Die Propheten, die Visionen erlebten, haben anderen davon mitteilen können. Die Seele hat also nicht vergessen, was sie gesehen hat. So müsste es dann bei einer vorausgesetzten Wiedergeburt auch sein.

Wenn die Seele keine Ahnung vom Vergangenen hat, dann war sie auch nicht in anderen Körpern (Gegen die Häresien, II, 33).

 

 

 

 

Marcionismus

Beschreibung:

Der Marcionismus wird zwar auch der Gnosis zugerechnet, wird hier jedoch wegen seiner Bedeutung extra behandelt.

Marcion, geboren 110 nach Chr. in Pontus am Schwarzen Meer, Sohn eines Bischofs, reiste 140 nach Rom. 144  macht er sich eine eigene Lehre zurecht und wird aus der Kirche ausgeschlossen. Er spricht vom Weltschöpfer als Gott der Rache. Dieser bringt Jesus, dessen Gott reine Liebe ist, ans Kreuz. Die Evangelisten haben das nicht begriffen. Das Alte Testament mit dem Gott der Rache sollte man weglassen. Paulus hat die Absicht Christi fast richtig ausgelegt, man muss allerdings seine Schriften berichtigen. Marcion lässt  neben Paulus nur noch Teile des Lukasevangeliums gelten. Er, Marcion, ist als Reformator berufen.

Zwischen 150 und 200 nach Chr. gewinnen seine Lehren großen Einfluss. Es gibt sogar marcionitische Bischöfe.  Danach und durch die Ketzergesetze des 4. Jahrhunderts geht ihr Einfluss zurück.

(Lit.: Aland S. 99; Sierszyn, S. 97; im Internet: http://www.newadvent.org/cathen/09645c.htm)

Entgegnung von Irenäus:

Gott kann nicht aus zwei Teilen bestehen: einem guten Gott und einem gerechten Gott. Der Richtergott ist nicht Gott, wenn er nicht zugleich gut ist; er ist dann nicht weise. Und der gute Gott kann nicht als Gott gelten, wenn er nicht zugleich gerecht ist. Seine Güte wird dann als Schwäche ausgelegt. Seine Gerechtigkeit kann nicht grausam erscheinen, da ihr die Güte stets vorangeht (Gegen die Häresien, III, 25).

 

 

Montanismus

Beschreibung:

In Kleinasien  (Phrygien) taucht 156 Montanus auf. Er sagt von sich, dass er der in Johannes 14, 26 vorhergesagte Paraklet sei. In Ekstase sagt er: „Ich bin Gott, der Allmächtige, der Mensch geworden ist…“ Seine ersten Anhängerinnen sind die Frauen Maximilia und Priscilla. Sie werden Prophetinnen. Nach der Prophetie von  Priscilla kommt das himmlische Jerusalem nach Kleinasien. Das wird von Montanus bestätigt und  er ist überzeugt, dass das Weltende vor der Tür steht. Daher sollen auch Ehen aufgelöst werden. Fasten und strenge Kirchenzucht  gehören zur Lehre. Die Lehre breitet sich in Kleinasien aus, aber auch in den Westen des römischen Reiches.  Der bekannte Theologe Tertullian schließt sich vorübergehend an.

(Lit.: Aland S. 97; Sierszyn, S. 103; im Internet:   http://www.newadvent.org/cathen/10521a.htm)

Entgegnung:

In Eusebius Kirchengeschichte (Buch V, 16) wird kritisiert, dass Montanus  sich selbst zum Propheten ernannt hat und die Voraussagen von seinen Prophetinnen über große Kriege sich nicht erfüllt haben. 

Seine sog. Propheten und Märtyrer haben nicht nur von den Reichen, sondern auch von den Armen, den Waisen und Witwen Geld

gefordert. Er ließ unter dem Titel Opfer Geschenke annehmen, um den Verkündigern seiner Lehre Lohn auszuzahlen, damit die Predigt seiner Lehre durch Schlemmerei an Kraft gewänne. Er ließ seine  Prophetin Gold, Silber und kostbare Gewänder annehmen.

So kamen die Gläubigen Asiens wiederholt an verschiedenen Orten zusammen, prüften die neue Lehre, erkannten

ihre Gemeinheit und verurteilten die Sekte, worauf diese Leute aus der Kirche hinausgeworfen und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden.

 

 

Manichäismus

Die Bewegung wird nach ihrem Stifter Mani benannt. Er war 216 in Babylonien geboren und hatte persische Eltern.

Ein Engel soll ihm gesagt haben, dass er zum Verkünder einer weltumspannenden Religion erwählt sei. 242 tritt er als Gesandter Gottes auf und verkündet, dass er der Tröster sei, der in Johannes 14, 26 vorhergesagt worden war. Seine Lehre ist eine Neuauflage der Gnosis mit vielen Spekulationen. Die Welt besteht aus einem Reich des Lichts und einem Reich der Finsternis. Jesus lehrte den Weg der Weisheit. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Menschen Jesus und seinem Geist. Das alte Testament sei wertlos. Er lehrt auch die Wiedergeburt des Menschen. Mani findet im Osten aber auch im Westen des römischen Reiches im 3. und 4. Jahrhundert viele Anhänger, nachdem die Gnosis allmählich an Anziehungskraft verliert. Der Manichäismus wird allerdings von Kirche und Staat  bekämpft und kann sich trotzdem noch eine Weile auch im fernen Osten halten.

(Lit.: Sierszyn, S. 101; im Internet   http://www.newadvent.org/cathen/09591a.htm)

 

 

 

 

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